Philipp Lustig wurde 1882 als Sohn des Kaufmanns und Altwarenhändlers Nathan Lustig und dessen Gattin Berta (genannt „Mina“), geb. Sonnenmark in Spannberg im Bezirk Gänserndorf geboren. Seine Eltern stammten beide aus Mähren, väterlicherseits aus Eisgrub, und seit etwa 1873 war die jüdische Familie Lustig in Spannberg ansässig. Lustig wuchs mit neun Geschwistern (zwei weitere waren früh verstorben) im bäuerlich geprägten Spannberg auf und da die entsprechenden Bände der Schulchronik leider verloren gingen, kann nur angenommen werden, dass er hier wohl auch seine Pflichtschulbildung erhalten haben dürfte.
In weiterer Folge absolvierte er vermutlich andernorts eine Spenglerlehre, legte in diesem Handwerk erfolgreich die Meisterprüfung ab und eröffnete im Oktober 1907 eine Spenglerei im Haus seiner Eltern an der Adresse Spannberg Nr. 166.1 Im Jahr 1910 verlegte Lustig Wohnsitz und Betrieb von Spannberg nach Mistelbach und eröffnete seine Spenglerei im April 1910 an der Adresse Hauptplatz Nr. 12.2 Vermutlich ab 1912, jedenfalls jedoch noch vor Beginn des Ersten Weltkriegs mietete er sich mit seiner Spenglerei schließlich in der weitläufigen Liegenschaft des Eckhauses Hauptplatz Nr. 27/Hafnerstraße Nr. 2 ein.3 Dieser Gebäudekomplex im Besitz der jüdischen Kaufmannsfamilie Weinmann beheimatete damals (wie auch heute) mehrere Geschäftslokale und jenes von Lustig befand sich etwa in der Mitte des der Hafnerstraße zugewandten Gebäudeteils (heute: ein Teil der Pizzeria Camillo). Das Geschäftslokal diente dem Handel mit Haushalts- und Küchenwaren, den sein Betrieb jedenfalls seit den 20er Jahren mitumfasste, und im Innenhof befand sich die Spenglerwerkstatt. Aber nicht nur die erwähnten Haushalts- und Küchenwaren bestanden damals zumeist aus Blech, Email bzw. sonstigen Metall und waren somit ein nahliegendes Zusatzgeschäft für Spengler, sondern auch viele für den Weinbau, insbesondere zur Schädlingsbekämpfung, benötigte Gerätschaften (Spritzen, Pumpen, Kessel, Wannen, etc.) auf deren Herstellung bzw. Reparatur sich Lustig spezialisiert hatte. Laut Angaben aus den 1920er bzw. 1930er Jahren beschäftigte er drei Arbeiter mit deren Hilfe er für das Spenglerhandwerk typische Arbeiten wie etwa die Herstellung und Montage von Dachrinnen, Blechdacheindeckungen bzw. den Einbau von Dachfenstern ausführte.4 Einen Großauftrag stellte sicherlich die 1928 von ihm vorgenommene Blecheindeckung der Turmzwiebel der Pfarrkirche von Kettlasbrunn dar.5 Vermutlich dürfte auch sein jüngerer Bruder David Lustig, dessen Beruf als Spenglergehilfe angegeben wurde, und der 1918 an der Front fiel, zumindest zeitweilig bei Lustig beschäftigt gewesen sein.
Das Geschäftslokal von Philipp Lustig in der Hafnerstraße Nr. 2 im Jahre 1928 (zweites Geschäft von rechts – siehe Markierung; erkennbar auch an den ausgestellten Blechwaren)
Auch Philipp Lustig diente im Ersten Weltkrieg als Soldat, wie Zeitungsberichte aus dem Jahr 1914 belegen.6 Unter anderem findet sich eine Kurzmeldung, die berichtet, dass die sechs Söhne und auch ein Schwiegersohn des Herrn Nathan Lustig aus Spannberg in die Armee einberufen wurden.7 Das außergewöhnliche an dieser Meldung ist, dass sie ausgerechnet in der stramm deutsch-nationalen und antisemitischen „Österreichischen Land-Zeitung“ aus Krems erschien. In der damals herrschenden patriotischen Kriegsbegeisterung und des Zusammenhalts gegen einen äußeren Feind, vergaßen offenbar sogar überzeugte Antisemiten kurzzeitig auf die seit Jahrzehnten gepflogenen Ressentiments gegenüber Juden. Im Juli 1916 findet sich erneut eine Meldung in derselben Zeitung und zwar wird aus Mistelbach berichtet, dass „der hiesige Spenglermeister“ im Zuge eines Verwundetenaustausches aus russischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt sei. Er sei zuvor in Kiew, Odessa, St. Petersburg und Moskau in Spitalsbehandlung gewesen und „spricht nicht lobend über die russischen Zustände“.8 Mangels Angabe eines Namens und da unklar ist, ob zu jener Zeit weitere Spenglermeister in Mistelbach tätig waren, kann nicht mit letzter Sicherheit daraus geschlossen werden, dass es sich um Philipp Lustig handelt. Einige Jahre vor dem Krieg scheinen im „Österreichischer Zentralkataster sämtlicher Handels-, Industrie- und Gewerbebetriebe“ noch mehrere Spenglerbetriebe auf, 1920 bzw. bis Mitte der 1920er Jahre hingegen wird Lustig in diversen Gewerbeverzeichnissen als einziger Spenglermeister in Mistelbach geführt. Das Verschweigen des Namens mutet sonderbar an und könnte als ein bewusster gesetzter Akt interpretiert werden. Es würde der Ideologie des Blattes durchaus entsprechen, dass man sich zwar bemüßigt fühlte diese Neuigkeit zu vermelden, es allerdings vermeiden wollte den jüdischen Namen Lustig zu erwähnen. Leider findet sich im „Mistelbacher Bote“ keine derartige Meldung und auch eine Recherche zu Philipp Lustig in den vom k.u.k. Kriegsministeriums veröffentlichten Verlustlisten (in denen auch die Verwundeten angeführt werden) blieb ohne Ergebnis. Gegen die Vermutung, dass es sich bei erwähntem Spenglermeister um Lustig gehandelt haben könnte, spricht ein Inserat aus dem Jänner 1919 im Mistelbacher Bote in dem Lustig informiert, dass seine Spenglerei wieder in Betrieb sei und sämtliche Spenglerarbeiten übernehme.9 Diese Verlautbarung legt den Schluss nahe, dass Lustig bis Kriegsende gedient haben dürfte und unmittelbar nach seiner Heimkehr den Betrieb, der während seines Fronteinsatzes stillgelegt war, wieder eröffnete.10
Nach zehnjährigem Aufenthalt in der Stadt hatte Lustig Anspruch auf die Verleihung des Heimatrechts in der Gemeinde Mistelbach, das ihm im Mai 1920 mittels Gemeinderatsbeschluss zuerkannt wurde.11
Ein Bruder Lustigs war von 1921 bis 1932 Eigentümer des Hauses Gartengasse Nr. 2212, damals in unmittelbarer Nähe des israelitischen Tempels. Da dieser Bruder jedoch in Spannberg bzw. Dürnkrut lebte, wohnte Philipp Lustig hier gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Barbara („Wetti“/“Betti“) Pleininger (*1886, †1970).13 Pleininger, in anderen Quellen auch als seine „Lebensbegleiterin und Wirtschafterin“ bezeichnet, stammte ebenfalls aus Spannberg und war die katholische Tochter eines Schusters 14). Die Beziehung zwischen ihr und Lustig blieb kinderlos. 1931 erwarb Lustig das Haus Hafnerstraße Nr. 5 (heute: Optik Janner), das seinem Geschäftslokal gegenüberlag. Dieses Haus beherbergte zwei Geschäftslokale, und eines davon war seit Anfang des 20. Jahrhunderts an den jüdischen Kaufmann David Kasmacher vermietet, der hier eine Gemischtwarenhandlung betrieb und samt seiner Familie auch hier wohnte.15 Ende der 1920er bzw. Anfang der 1930er Jahre befand sich im linken Teil des Gebäudes das Geschäft des Mechaniker- bzw. Elektroinstallateurbetriebs von Karl Rösslers Witwe.16 Bald nach dem Erwerb des Hauses dürfte er seinen Wohnsitz hierher verlegt haben. Bestimmt hatte er den Vorsatz auch seinen Betrieb in das nunmehr ihm gehörige Haus zu verlegen, möglicherweise war er jedoch aufgrund laufender Verträge vorerst daran gehindert dieses Vorhaben zu verwirklichen, sodass sein Geschäft bis 1938 weiterhin an der Adresse Hafnerstr. 2 verblieb.
Diese in der NS-Zeit herausgegebene Postkarte nutzt eine Aufnahme aus der Zeit vor dem „Anschluss“ (etwa 1935) und zeigt das Geschäft Lustigs in der Hafnerstraße 2 und das ihm gehörige Haus Hafnerstr. 5 in dem das Geschäft von David Kasmacher erkennbar ist.
Im Jänner 1928 finden sich erste Belege für Lustigs Engagement in der Lokalorganisation (=Ortspartei in der damaligen Parteidiktion) der Sozialdemokratischen Partei, als er im Zuge der Generalversammlung zum Kontrollor (=Rechnungsprüfer) gewählt wurde.17 In der Zeit von 1930 bis jedenfalls 1933 hatte er die Funktion des Kassierstellvertreters der Lokalorganisation inne.18
Im Zuge der Gemeinderatswahl im November 1929 wurde Lustig als Vertreter der Sozialdemokraten in den Mistelbacher Gemeinderat gewählt und sein Einzug in den Gemeinderat wurde in der christlichsozialen und großdeutschen Regionalpresse von antisemitischen Kommentaren begleitet.19 Nachdem im November 1930 drei sozialdemokratische Gemeinderäte, darunter auch die beiden Vertreter der Partei im Gemeindevorstand (=geschäftsführende Gemeinderäte, heute Stadtrat genannt) ihre Mandate zurücklegten, sollte in der Gemeinderatssitzung vom 30. November 1930 die Ersatzwahl in dieses Gremium stattfinden. Die Sozialdemokraten nominierten als geschäftsführende Gemeinderäte Philipp Lustig und Leopold Kleindesner und diese wurden mit den Stimmen der sozialdemokratischen Mandatare und bei Enthaltung der bürgerlichen Majorität grundsätzlich auch gewählt.20 Nach der Wahl bemängelte die sozialdemokratische Fraktion jedoch, dass diese nicht formal korrekt erfolgt sei. Tatsächlich war die für eine derartige Wahl laut Geschäftsordnung vorgesehene Anwesenheit von drei Vierteln der Gemeinderatsmitglieder zum Zeitpunkt der Wahl nicht gegeben. Aus nachvollziehbaren Gründen hatten die Sozialdemokraten großes Interesse daran, dass ihre Vertreter im Gemeindevorstand formalrechtlich korrekt gewählt werden. Das Verhältnis der Sozialdemokraten zur bürgerlichen Mehrheit (Christlichsoziale und Nationale) war jedoch äußerst angespannt und es existierte keine gemeinsame Gesprächsbasis, sodass diese Angelegenheit exemplarisch für die Stimmung im Gemeinderat während der Jahre der Ersten Republik gelten kann. Die Mehrheit nahm die Hinweise der Sozialdemokraten nicht ernst und erst aufgrund einer Beschwerde bei der Landeswahlbehörde21, der letztlich Folge gegeben wurde, ordnete die Landesbehörde eine Wiederholung der Wahl an. Diese erfolgte schließlich am 10. März 1931 und es wurden die sozialdemokratischen Gemeinderäte Lustig und Karl Stropek (statt zuvor Kleindesner) in den Gemeindevorstand, und damit zu geschäftsführenden Gemeinderäten (entspricht heute dem Stadtrat) gewählt.22 Ab 1930 gehörte Lustig auch dem Ortschulrat an23 und 1932 wurde er als einer von mehreren Arbeitgebervertretern in den Vorstand der Gebietskrankenkasse für den Bezirk Mistelbach gewählt.24
Die gewaltsame Auseinandersetzung im Februar des Jahres 1934 mit dem zu diesem Zeitpunkt bereits verbotenen Republikanischen Schutzbund nahm das Dollfuß-Regime zum Anlass für ein Verbot der Sozialdemokratischen Partei und ihrer Teilorganisationen und entzog den gewählten Vertretern dieser Partei die Mandate in allen demokratischen Institutionen. Zwar war Lustig geschäftsführender Gemeinderat und somit einer der wichtigsten Vertreter seiner Partei in der Gemeindepolitik, allerdings hatte er in der Parteiorganisation keinerlei herausragende Stellung inne. Ob er daher, wie viele seiner Genossen in ganz Österreich zumindest kurzzeitig Repressalien, wie etwa Untersuchungshaft, zu erleiden hatte, ist nicht bekannt. Beispielhaft sei hier das tragische Schicksal des hauptamtlichen Parteisekretärs Karl Stropek erwähnt, der gemeinsam mit Lustig in den Gemeindevorstand gewählt wurde, und der sich nach zweimonatiger Untersuchungshaft im Arrest des hiesigen Bezirksgerichts selbst das Leben nahm.
Aufgrund seiner exponierten Stellung als ehemaliger sozialdemokratischer Gemeinderat jüdischer Herkunft und Unternehmer war Lustig vermutlich besonders als Ziel des nationalsozialistischen Terrors, der unmittelbar mit dem „Anschluss“ einsetzte, prädestiniert. Der durch SA-Männer überwachte Boykott jüdischer Geschäfte bzw. eine etwaig drohende Arisierung seines Unternehmens bedeuteten für ihn zudem eine wirtschaftlich aussichtslose Lage. All dies und schließlich die Angst vor dem was noch kommen würde oder eine Vorahnung dessen, führten dazu, dass Lustig am 8. Mai 1938 in den Selbstmord flüchtete und sich erhängte.25 Ein Wiener Sterbevorsorgeverein kümmerte sich um die Kremierung und Beisetzung der sterblichen Überreste im Urnenhain der Feuerhalle Simmering. Zwanzig Jahre nach seinem Tod wurde das Urnengrab aufgelassen.26
Einige seiner Geschwister verstarben bereits vor 1938 eines natürlichen Todes bzw. fiel ein Bruder im 1. Weltkrieg. Jene fünf Geschwister die die Herrschaft des Nationalsozialismus miterleben mussten, haben diese nicht überlebt: ein Bruder flüchtete so wie Philipp Lustig in den Freitod und die anderen vier Geschwister wurden deportiert und ermordet.27
In seinem Testament hatte Lustig Barbara Pleininger als seine Universalerbin (mit Einschränkungen bzgl. der Nacherbschaft) bestimmt28 und diese übernahm das Geschäft, in dem sie seit vielen Jahren mitgearbeitet hatte, mit 8. Juni 1938, beschränkte sich jedoch fortan auf den Handel mit Haushalts- und Küchengeräten. Die Spenglerwerkstatt dürfte sie augenscheinlich an Matthias Strobl verkauft haben, der die Eröffnung seiner Spenglerei an der Adresse Hafnerstr. Nr. 2 mit 15. September 1938 mittels Zeitungsannonce mitteilte.29
Die im Mistelbacher Bote (Nr. 24/1938, S.7) veröffentlichte Anzeige der Geschäftsübernahme nach Abschluss der Verlassenschaftsverhandlung
Die Ankündigung der Fortführung „im arischen Sinne“ in obiger Anzeige war eine in Zusammenhang mit Arisierungen übliche Formulierung und ist bestimmt nicht als Ausdruck von Pleiningers Werthaltung zu verstehen. Nachdem Mistelbach bereits im September 1938 als „judenfrei“ galt und somit auch die Familie Kasmacher, die ihr Geschäft in weiser Voraussicht, bevor es arisiert werden konnte, liquidiert und Mistelbach verlassen hatte, war nun für Pleininger die Möglichkeit gegeben das Geschäft in das nunmehr ihr gehörende Haus Hafnerstraße Nr. 5 zu verlegen. Die Übersiedlung des Betriebs an die gegenüberliegende Adresse dürfte vermutlich noch in der zweiten Jahreshälfte 1938 bzw. spätestens im Frühjahr 1939 erfolgt sein. Barbara Pleininger führte den Handel mit Haushalts- und Küchenwaren, untergebracht im linksseitigen Geschäftslokal des Gebäudes, bis 1954.30 Danach dürfte sie das Geschäft an Elisabeth Matsch verpachtet haben, die in Branchenverzeichnissen bis 1961 mit einem Haushaltswaren- und Küchengerätegeschäft an dieser Adresse als ihre Nachfolgerin aufscheint.
Am 26.03.1998 beschloss der Gemeinderat zur Erinnerung an den einzigen jüdischen Stadtrat in Mistelbach und dessen bedauerliches Schicksal eine Straße am oberen Ende der Steinhübelsiedlung Philipp Lustig-Weg zu benennen.31
Quellen (und Anmerkungen): -) Eybel, Heinz /Jakob, Christa/Neuburger, Susanne: Verdrängt und Vergessen. Die jüdische Gemeinde in Mistelbach (2003), S.126, 194, 201
-) Höfler, Ida Olga: Die jüdischen Gemeinden im Weinviertel und ihre rituelle Einrichtungen 1848-1939/45 – der politische Bezirk Mistelbach, Band II (2017), S. 510f (Anm.: Lustigs Bezug zum jüdischen Glauben ist unklar: Frau Prof. Höfler gibt zu Lustigs Biografie an, dieser sei aus dem Judentum ausgetreten (wobei unklar ist auf welche Quellen sich diese Angabe bezieht). Dem widerspricht jedoch die ebenfalls von ihr als Quelle angeführte Todfallsaufnahme durch den Notar Dr. Gärtner im Mai 1938 in der das Religionsbekenntnis Lustigs als „mosaisch“ angeführt wurde. Dank an Mag. Andreas Kloner für den Hinweis und die Übermittlung des Protokolls der Todfallsaufnahme.)
-) Höfler, Ida Olga: Die jüdischen Gemeinden im Weinviertel und ihre rituelle Einrichtungen 1848-1939/45 – der politische Bezirk Gänserndorf, Band IV (2015), S. 1662f (Anm.: die Mitteilungen von Herrn Mag. Kloner und ebenso der Zeitpunkt der Verleihung des Heimatrechts belegen widerlegen die Annahme von Frau Prof. Höfler, dass Lustig erst 1912 nach Mistelbach übersiedelt sei)
-) Bayer, Franz/Spreitzer, Prof. Hans: „Der Mistelbacher Gemeinderat seit der Stadterhebung“ In: Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart – Heimatkundliche Schriftenreihe der Stadtgemeinde Mistelbach, Band I (1964), S. 173, 189 bzw. die aktualisierte Version „Die Bürgermeister Mistelbachs ab 1850, Die Stadträte und Gemeinderäte Mistelbachs seit der Stadterhebung im Jahre 1874“ In: Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart – Heimatkundliche Schriftenreihe der Stadtgemeinde Mistelbach, Band III (1982), S. 105;
Bildnachweis: Fotos Hafnerstraße: digitalisiert und zur Verfügung gestellt von Otmar Biringer aus der Sammlung von Herrn Lichtl
Norbert Baumgartner wurde 1934 in die in Wien-Döbling wohnhafte Familie von Ferdinand und Dr. Grete (geb. Tomek) Baumgartner geboren. Sein Vater betrieb eine Verlagsbuchhandlung, ursprünglich im 8. Bezirk, später im 19. Bezirk, und seine Mutter pausierte ihr Germanistik-Studium zunächst für die Familiengründung und Kinderziehung, promovierte jedoch schließlich 1943.
Baumgartner besuchte das Bundesgymnasium Wien-Döbling, wo er am 30. Juni 1952 die Reifeprüfung ablegte.32 Der spätere SPÖ-Innenminister Karl Blecha war einer seiner Klassenkameraden. Anschließend trat er im Wintersemester 1952/53 in das erzbischöfliche Priesterseminar ein und nahm das Studium der Theologie an der Universität Wien auf.33 Seine Entscheidung für eine geistliche Laufbahn fügt sich in das Bild der stark vom katholischen Glauben geprägten Familie Baumgartner, schließlich verlegte sein Vater hauptsächlich religiöse Literatur und auch Baumgartners älterer Bruder Ferdinand war drei Jahre vor ihm in das Priesterseminar eingetreten, entschied sich jedoch schlussendlich für einen profanen Lebensweg und wurde später Direktor der Universitätsbibliothek der Universität Wien.34
Das Studium schloss Baumgartner im Sommersemester 1957 erfolgreich mit dem Absolutorium (abs.theol.) ab, dem damals üblichen Abschluss für Studien, sofern man kein Doktorat anstrebte. Nachdem Ende der 1960er Jahre das Magisterium auch für Theologen eingeführt wurde, reichte Baumgartner eine Diplomarbeit nach, die die Voraussetzung für die Erlangung des Magister-Titels war, und spondierte zu Ende des Sommersemesters 1974 zum Magister der Theologie.35
Die Priesterweihe empfing er am 29. Juni 1957 und trat am 1. September desselben Jahres in der Stadtpfarre St. Christoph in Baden bei Wien seine erste Stelle als Kaplan an.36 Im Anschluss daran war er von September 1960 bis August 1961 Kaplan in der Stadtpfarre St. Othmar in Mödling37, und war später in seiner Laufbahn kurzzeitig in dieser Funktion auch in der Pfarre Wien-Erdberg tätig.38 Etwa von 1961 bis 1965 war er Sekretär und Zeremoniär bei Erzbischof-Koadjutor Dr. Franz Jáchym39 und ab September 1965 schließlich Kaplan in der Pfarre St. Leopold in Gersthof im 18. Wiener Gemeindebezirk sowie Religionsprofessor am Gymnasium & Realgymnasium 19 (GRG19 – Billrothstr. 26) im 19. Bezirk.40 An dieser Schule, die bis zum Schuljahr 1977/78 als Mädchengymnasium geführt wurde, wirkte er bis zu seinem Tod als engagierter Pädagoge und war auch als Lehrervertreter im Schulgemeinschaftsausschuss aktiv.
1970 wurde er zum Pfarrer in Kettlasbrunn berufen und seine berufliche Tätigkeit umfasste nun zwei räumlich getrennte Wirkungsbereiche: während der Woche war er in Wien bzw. zuletzt in Klosterneuburg wohnhaft und unterrichtete als Religionsprofessor. An den Wochenenden und Feiertagen bzw. in den Ferien wirkte er mit vollem Einsatz als „Wochenendpfarrer“ in Kettlasbrunn.41
Pfarrer Baumgartner (rotes X) wird 1970 durch Bischofsvikar Prälat Stubenvoll in in der Pfarre Kettlasbrunn feierlich installiert (Foto: W. Mliko)
Baumgartner schaffte es mit seiner humorvollen und gewinnenden Persönlichkeit, seiner Fähigkeit zu begeistern und seinem Organisationstalent die Kettlasbrunner Bevölkerung zu einer aktiven Pfarrgemeinschaft zu formen und zahlreiche Mitstreiter für die Umsetzung seiner Ideen zu gewinnen. Das erste Projekt, dass er an seinem neuen Dienstort in Angriff nahm war die Außenrenovierung der Pfarrkirche im Jahr nach seiner Ankunft. Zur Finanzierung dieses Vorhabens trug unter anderem der Reinerlös, der von ihm 1971 und 1972 organisierten und sehr erfolgreichen großen Faschingsumzüge im Ort, bei. Wie an diesem Beispiel bereits ersichtlich beschränkte sich Baumgartner keineswegs auf die Seelsorge, sondern brachte sich aktiv ins Gemeinschaftsleben des Dorfes ein und konnte so zahlreiche Projekte anstoßen und verwirklichen. 1973 gründete er den „Verein für Ortsverschönerung und Umweltschutz“, dem er bis zu seinem Ableben als Obmann vorstand.42 Der Verein realisierte beispielsweise die Neugestaltung des Kirchenbergs oder etwa die Renovierung der außerhalb des Ortes gelegenen „Pestsäule“, die auf seine Idee hin mit Mosaikbildern der vier Evangelisten versehen wurde.43 Auch der 1977 vollendete Neubau einer Aufbahrungshalle ging auf die Initiative von Pfarrer Baumgartner zurück. Ein großer Erfolg waren weiters die von ihm organisierten jährlichen Wallfahrten der Pfarrgemeinde. Es gelang ihm darüber hinaus eine Verbindung zwischen seinen beiden beruflichen Wirkungsbereichen herzustellen: So wirkten einige seiner Wiener Schüler und Schülerinnen auch bei der Gestaltung des Pfarrlebens in Kettlasbrunn mit und beteiligten sich etwa an Nikolofeiern, der Schulchor veranstaltete alljährlich ein Adventsingen bzw. wirkten Mitglieder dieses Chores bei der Aufführung von Singmessen in der Kettlasbrunner Pfarrkirche mit.44 Zu diesen Anlässen kümmerte sich Pfarrer Baumgartner um Quartiere für die Wiener Kinder und Jugendlichen und diese wurden von Kettlasbrunner Familien gastfreundlich aufgenommen. Anlässlich einer Pfarrvisitation zeigte sich Kardinal Dr. König vom Wirken Baumgartners derart beeindruckt, dass er ihn 1974 zum Geistlichen Rat ernannte, ein Ehrentitel der Geistlichen sonst oftmals erst zu Ende ihrer Laufbahn verliehen wird.45
Mag. Norbert Baumgartner Anfang der 1970er Jahre
Das nächste großes Projekt wäre die bereits in Planung befindliche Innenrenovierung der Pfarrkirche gewesen, aber leider war es ihm nicht mehr vergönnt sein Werk zu vollenden. Das große Arbeitspensum das Pfarrer Baumgartner sich zumutete forderte seinen Tribut: Während eines Schulausflugs in den Schönbrunner Tiergarten am 25. April 1980 erlitt er einen Herzinfarkt, an dessen Folgen er wenige Stunden später im Krankenhaus zum göttlichen Heiland verstarb.46 Der plötzliche Tod des erst im 47. Lebensjahr stehenden, charismatischen Pfarrers und Lehrers war ein Schock für Kettlasbrunn und seine Wiener Schule. Sein Leichnam wurde am 30. April 1980 nach Kettlasbrunn überführt, aufgebahrt und Mitglieder der Pfarrgemeinde hielten die Totenwache. Am Tag darauf wurde das Requiem in der Pfarrkirche unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, seiner Lehrerkollegen und Schüler, von Erzbischof-Kodadjutor Dr. Franz Jáchym, dessen enger Mitarbeiter Baumgartner einst war, zelebriert.
Mag. Norbert Baumgartner wurde am 2. Mai 1980 im Familiengrab am Klosterneuburger Martinsfriedhof beigesetzt.
Im Zuge der Einführung von Straßenbezeichnungen in Kettlasbrunn wurde mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderates vom 14. Dezember 2004 die Mag. Baumgartner-Gasse zur Erinnerung an sein gedeihliches Wirken in dieser Katastralgemeinde nach ihm benannt.47
Wo befindet sich die Mag. Baumgartner-Gasse (Kettlasbrunn)?
Quellen: -) Fotos: Wilhelm Mliko – Nachlass Fotoarchiv Mliko im Stadtmuseumsarchiv
-) Informationen aus dem Nationale des Studenten Norbert Baumgartner, lt. Auskunft des Archivs der Universität Wien
-) Wiener Kirchenzeitung, Nr. 19/1980, Jg. 131 (11. Mai 1980), S. 6
-) Leisser, Willibald: Kettlasbrunn im Weinviertel (1989), S. 75f
Mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderates vom 26. März 1998 wurde diese Straße am oberen Ende der Steinhübel-Siedlung nach dem ehemaligen Gemeinderat bzw. geschäftsführenden Gemeinderat (=Stadtrat) Philipp Lustig benannt. Tatsächlich dürfte die Geschichte dieses Weges aber bereits Jahrhunderte zurückreichen. Ende des 18. Jahrhunderts existierte die heute Richtung Eibesthal führende Waisenhaustraße noch nicht, allerdings zeigen die aus dieser Zeit stammenden Karten der Josephinischen Landesaufnahme, dass zwei Wege in den nahegelegenen Nachbarort führten und beide nahmen ihren Anfang etwa im Kreuzungsbereich Neustiftgasse/Hochgasse. Hier nahe dem vor Jahrhunderten abgekommenen Schloss der Herren von Mistelbach befand sich einst der „Alte Markt“, also das Zentrum Mistelbachs bevor Anfang des 14. Jahrhundert der Hauptplatz bereits in seinen heutigen Ausmaßen als „neuer Markt“ angelegt wurde. Dass wie beschrieben die beiden Wege nach Eibesthal hier ihren Anfang nehmen, kann wohl auch als Hinweis gesehen werden, dass diese Wege schon früh in der Geschichte Mistelbachs entstanden sind. Einer der beiden Wege zweigt kurz nach der beschriebenen Stelle von der Neustiftgasse links ab und dieser Weg, der im Ortsgebiet heute den Namen Christine Nöstlinger-Weg trägt, führt in etwa entlang der auf den historischen Karten verzeichneten Strecke als Güterweg in den Eibesthaler Unterort. Der zweite Wege führte über die Hochgasse in einen heute noch bestehenden Hohlweg, setzte sich entlang des heutigen Philipp Lustig-Wegs fort und zweigte dann via dem oberen Stück des Höhenweg in jenen Weg ab, der der heute Richtung Eibesthal verlaufenden Straße entspricht.
Andreas Schreiber wurde 1869 als Sohn des Gast- und Landwirts Andreas Schreiber und dessen dritter Gattin Klara, geb. Trestler, im Gasthaus „Zum Goldenen Ochsen“ (Hauptplatz Nr. 6) geboren. Sein Vater war seit 1851 Besitzer dieser ältesten Gastwirtschaft der Stadt, deren Spuren bis in das 14. Jahrhundert zurückreichen, und der zugehörigen Landwirtschaft.49 Schreiber senior, der in der Zeit von 1864 bis 1867 auch Bürgermeister der Stadt Mistelbach50 war, verstarb 1892 und sein gleichnamiger Sohn folgte ihm als Gastwirt im „Goldenen Ochsen“ und auch als Landwirt nach. Zur Erbschaft nach dem Vater gehörte auch ein Ziegelofen, der weit außerhalb des Ortsgebiets in Richtung Siebenhirten lag.51
Das Gasthaus „Zum Goldenen Ochsen“ der Familie Schreiber am Mistelbacher Hauptplatz im Jahr 1900. Es scheint sehr wahrscheinlich, das sich unter den in den Fenstern des ersten Stockwerks erkennbaren Herren auch der Hausbesitzer Andreas Schreiber befindet. (Foto: Göstl-Archiv)
Am 12. Februar 1900 ehelichte er Anna Pfeil, die Tochter eines Mistelbacher Gerbereigehilfen, in der Pfarre Mariahilf in Wien52 und dieser Verbindung entstammten sieben Kinder, von denen drei jedoch bereits im Säuglingsalter verstarben53. Im selben Jahr verkaufte Schreiber das Gasthaus „Zum Goldenen Ochsen“ an die Gemeinde, die die Häuser Nr. 4 und 6 am Nordende des Hauptplatzes abbrach und an dieser Stelle das neue Amtsgebäude für Gemeinde, Bezirkshauptmannschaft und Sparkasse errichtete. Auch im einstigen Spitalsviertel (etwa im Bereich Mitschastraße/Oserstraße/Thomas Freund-Gasse/Gspanngasse) kam es zu Ende des 19. Jahrhunderts zu einer räumlichen und baulichen Neuordnung und noch 1900 errichtete Schreiber hier an der Adresse Schulgasse (heute: Thomas Freund-Gasse) Nr. 6 ein Wohnhaus samt Wirtschaftsgebäuden.54 Schreiber widmete sich fortan (ausschließlich) der Landwirtschaft und gehörte zu den wohlhabendsten Bauern der Stadt.55 Wie lange er die oben erwähnte ererbte Ziegelei weiterbetrieb ist unklar, möglicherweise war deren Fortbetrieb nach der 1899 erfolgten Gründung des großen Ziegelwerks links der Bahnstrecke nicht mehr rentabel.
Er wurde 1905 als Kandidat der von Bürgermeister Thomas Freund angeführten „Vereinigten Bürgerpartei“ (Wahlbündnis aus Deutschnationalen & Christlichsozialen) in den Mistelbacher Gemeindeausschuss (=Gemeinderat) gewählt und erreichte im 1. Wahlkörper die meisten Stimmen.56 Bei der Ergänzungswahl Ende August 1908 wurde er erneut als Mitglied des Gemeindeausschusses bestätigt57 und gehörte schließlich von 1911 bis 1919 auch dem Gemeindevorstand (=Stadtrat) an, dessen Mitglieder, abgesehen vom Bürgermeister, damals als Gemeinderäte bezeichnet wurden.58 Nachdem Schreiber anlässlich der Reichsratswahl 1911 als Mitglied des Deutschfreiheitlichen Wahlausschusses aufscheint, ist seine politische Gesinnung als Deutschnationaler klar belegt und schon sein Aufstieg zum Gemeinderat nach der Gemeindeausschusswahl 1911, bei der die Deutschnationalen triumphierten, legte diesen Schluss nahe.59 Während seiner Zeit als Gemeinderat stand er der „Sektion für Bewirtschaftung der Gemeindeweingärten, Viehhirt und Stiererhaltung, Schutz der Bodenkultur“ des Gemeindeausschusses als Obmann vor.60 Während des Ersten Weltkriegs fanden keine Wahlen statt und somit erstreckte sich die Amtsperiode des zuletzt gewählten Gemeindeausschusses bis zu den ersten Gemeindewahlen in der neugegründeten Republik im Jahr 1919, anlässlich derer sich Schreiber aus der Gemeindevertretung zurückzog. Weiters gehörte Schreiber von 1911 bis 1917 als von der Gemeinde entsandter Vertreter auch dem Ausschuss der Sparkasse Mistelbach an.61 Zu Beginn des Weltkriegs wurden die grundsätzlich musterungspflichtigen Mitglieder des Gemeindevorstands (=Bürgermeister und Gemeinderäte) zunächst von der Stellungspflicht enthoben, doch aufgrund des Kriegsverlaufs wurden auch sie im Februar 1916 schließlich der Musterung unterzogen und sollten alsbald einrücken.62 Auch Schreiber war für tauglich befunden worden, doch da er in seinem landwirtschaftlichen Betrieb unabkömmlich war und die Lebensmittelproduktion in der Heimat aufrechterhalten werden musste, konnte er sich durch ein Enthebungsgesuch dem Kriegsdienst entziehen.63
Bei der ersten Wahl zur neu geschaffenen niederösterreichischen Landwirtschaftskammer bzw. den Bezirksbauernkammern im Mai 1922 kandidierte Schreiber auf dem ersten Listenplatz des “Großdeutschen Hauer- und Bauernbundes” für den Gerichtsbezirk Mistelbach. Die großdeutschen Bauernvertreter blieben im Gerichtsbezirk Mistelbach allerdings selbst hinter den Bauernvertretern der Sozialdemokraten weit zurück, ganz zu schweigen vom klaren Sieger der Wahl – dem christlich-sozialen Niederösterreichischen Bauernbund, und somit konnte Schreiber kein Mandat erringen.64
Andreas Schreiber verstarb am 1. Juni 1950 und wurde zweit Tage später im Familiengrab auf dem Mistelbacher Friedhof beigesetzt.65
Schreibers letzte Ruhestätte auf dem Mistelbacher Friedhof
Auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts waren Schreibers Nachfahren noch in der Landwirtschaft tätig bzw. im Besitz von Ackerland in Mistelbach und langwierige Verhandlungen betreffend einen Grundankauf zwecks Ausbau der Industrieparkstraße zu einer durchgängigen Verbindungsstraße zwischen Mitschastraße und Ebendorfer Straße waren zunächst erfolglos geblieben. Schließlich konnte durch den damaligen Bürgermeister Ing. Resch eine Einigung erzielt werden, indem vereinbart wurde, dass eine Straße im Gemeindegebiet nach jener Person benannt werden sollte, der dieser Beitrag gewidmet ist. Daher beschloss der Gemeinderat im März 2001 einer bis dahin noch namenlosen Seitengasse am Ende der Bahnstraße den Namen Andreas Schreiber-Straße zu geben.66
Im Zuge von Grundankaufsverhandlungen der Stadtgemeinde mit einem Nachfahren von Andreas Schreiber wurde vereinbart eine Straße zum Gedenken an den einstigen Gemeinde- bzw. Stadtrat (1905-1919) zu benennen. Der Mistelbacher Gemeinderat beschloss in der Sitzung vom 7. März 2001 die Namensgebung für diese am Ende der Bahnstraße gelegene Zufahrtsstraße.
Als mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderates vom 14. Dezember 2004 in Kettlasbrunn Straßenbezeichnungen eingeführt wurden, wurde diese Gasse nach dem ehemaligen Kettlasbrunner Pfarrer Mag. Norbert Baumgartner benannt.
Zwar ist die Quellenlage eher bescheiden, aber dennoch können aus den vorhandenen Zeitdokumenten einige interessante Schlüsse zu den Auswirkungen der größten Pandemie des 20. Jahrhunderts in Mistelbach gezogen werden.
Der „Mistelbacher Bote“ berichtet in seiner Ausgabe vom 18. Oktober 1918 davon, dass die Spanische Grippe nun auch in Mistelbach angekommen sei. Es wird von vielen Erkrankungen berichtet und insbesondere Kinder seien sehr zahlreich betroffen, allerdings habe es laut diesem Bericht bislang kaum schwere Krankheitsverläufe gegeben.67
Das Virus fand damals in den durch den Ersten Weltkrieg bedingten Bewegungen von Menschenmassen, der schlechten Versorgungslage und den katastrophalen hygienischen Verhältnissen nach vier Kriegsjahren, insbesondere unter den Soldaten, ideale Verbreitungsbedingungen. Die Annahme, dass die Krankheit erstmalig durch verwundete Soldaten bzw. Kriegsgefangene nach Mistelbach gelangt sein könnte, erscheint durchaus plausibel. In dem auf mehrere Standorte (Krankenhaus, Kindergarten, Turnsaal, ehem. Notspital in der Hochgasse, später auch die Knabenschulgebäude) verteilten hiesigen Reservespital des Roten Kreuzes wurden neben den eigenen Verwundeten auch verletzte Kriegsgefangene versorgt. Im Jahr 1917 umfasste das Mistelbacher Reservespital insgesamt 541 Betten und es ist davon auszugehen, dass diese mit Fortdauer des Krieges auch in hohem Ausmaß belegt waren.68 Darüber hinaus befanden sich auch zumeist russische Kriegsgefangene in Mistelbach, die Zwangsarbeit in der Landwirtschaft verrichten mussten. Zwei italienische Kriegsgefangene, die am 21. Oktober 1918 im Reservespital verstarben, waren die ersten Todesopfer der Spanischen Grippe in Mistelbach. Bis Ende Oktober erlagen laut dem Sterbebuch der Pfarre fünf weitere italienische bzw. russische Kriegsgefangene dieser Krankheit im Vereins-Reservespital und im Mistelbacher Krankenhaus verstarben eine ältere Frau aus Schleinbach69 bzw. ein Kind aus Eibesthal. Unter der Mistelbacher Bevölkerung gab es im Oktober 1918 keine Todesopfer zu beklagen.70
Am 2. November 1918 berichtete der Mistelbacher Korrespondent der in Krems herausgegebenen „Österreichische Land-Zeitung“ in der Beilage „Unterm Manhartsberg“ (Anm. damalige Bezeichnung für das Weinviertel) davon, dass die Spanische Grippe nun auch in Mistelbach wüte.71 Kritisch bemerkt der Berichterstatter, dass pandemiebedingt zwar seit Anfang Oktober die Schulen geschlossen seien, aber etwa das Kino weiterhin geöffnet habe. Auch laut diesem Bericht habe es hier bislang noch keine bösartigen Krankheitsverläufe gegeben – die bis dahin verstorbenen Kriegsgefangenen bzw. auswärtigen Todesopfer wurden hier wohl bewusst ausgeklammert. Oftmals seien ganze Haushalte von der Erkrankung betroffen, doch sei das mittlerweile weit verbreitete Auftreten von Gliederschmerzen unter den bleichgesichtigen Kranken bereits als Zeichen für das Abklingen der Erkrankung zu deuten. Die Einschätzung bzw. Hoffnung des Berichterstatters, dass „die Seuche bereits im Abflauen“ sei, spiegelt sich in den Todesfällen des Monats November allerdings nicht wieder, da in diesem Monat laut dem Sterbebuch der hiesigen Pfarre der Höchststand mit 23 Grippe-Todesfällen72 erreicht wurde. Unter diesen 23 Toten befanden sich: drei Soldaten, drei Kriegsgefangene, vier Flüchtlinge (Südtiroler Flüchtlingsstation), zehn (vermutlich) im Pfarrgebiet (Mistelbach, Lanzendorf, Ebendorf) wohnhafte Personen73 und drei Personen aus der weiteren Umgebung, die im Krankenhaus an den Folgen der Grippe verstarben. Im Dezember forderte die Pandemie fünf weitere Menschenleben (eine Person davon aus Mistelbach) und in den Monaten Jänner und April 1919 starb jeweils eine Person bzw. im März 1919 drei Personen an den Folgen dieser Erkrankung. Mit Ausnahme eines Todesopfers stammten alle im Frühjahr 1919 an der Grippe Verstorbenen aus Mistelbach.
Die obige Statistik zeigt bereits, dass die Zahl der Todesfälle in Mistelbach grundsätzlich durch die vorhandenen medizinischen bzw. sozialen Einrichtungen (Krankenhaus, Landessiechenanstalt, Waisenhaus), in denen Personen aus der näheren und weiteren Umgebung betreut bzw. untergebracht waren, verzerrt wird und diese nicht mit der Anzahl der Todesfälle unter den Bewohnern der Stadt gleichzusetzen ist. Damals erhöhten zusätzlich noch die in Mistelbach untergebrachten Südtiroler-Flüchtlinge und die zahlreichen verwundeten Soldaten und Kriegsgefangenen im Reserve-Spital die Zahl der in Mistelbach weilenden Personen und damit einhergehend stieg auch bereits zuvor die Zahl der nicht durch die Pandemie bedingten Todesfälle überproportional zur Einwohnerzahl der Stadt. Unabhängig davon woher die Toten stammten wurde deren Ableben im Sterbebuch der Pfarre Mistelbach festgehalten. Die insgesamt fünfzehn Todesopfer unter den Einwohnern Mistelbachs deckten das gesamte Altersspektrum vom Säugling bis ins Greisenalter ab und auch in Ermangelung eines aufgrund der besonderen Umstände zu Kriegsende tauglichen Vergleichszeitraums, lässt deren vergleichsweise geringe Zahl wohl den Schluss zu, dass im Zeitraum November 1918 bis April 1919 keine signifikante Übersterblichkeit gegeben war.
Auch in den übrigen heutigen Katastralgemeinden gab es nur wenige Grippe-Tote zu beklagen, wie folgende auf Basis der Sterbebücher erstellte Übersicht zeigt:
Eibesthal: sieben Grippe-Tote im Zeitraum Oktober bis Dezember 1918 (drei davon verstarben in Mistelbach: ein Kind (Okt.) und zwei Soldaten (Nov.) und diese werden oben bereits erwähnt und scheinen sowohl im Mistelbacher, als auch im Eibesthaler Sterbebuch auf.)74
Frättingsdorf: ein Grippe-Toter im November 191875
Hörersdorf: vier Grippe-Todesfälle im Zeitraum November bis Dezember 191876
Hüttendorf: keine Todesfälle in Zusammenhang mit der Spanischen Grippe.
Zwar gab es eine Influenza-Tote im August 1918, doch handelte es sich hierbei zweifellos um eine „gewöhnliche“ Grippe-Erkrankung mit Todesfolge, und nicht um einen frühen Fall der Spanischen Grippe, die sich erst später in der Region verbreitete.
Kettlasbrunn: ein Grippe-Toter im November 191877; des Weiteren verstarb noch ein Kleinkind aus Kettlasbrunn im November 1918 im Mistelbacher Krankenhaus
Paasdorf: zwei Grippe-Todesfälle im Oktober bzw. November 191878
Siebenhirten: Laut der Chronik von Prälat Stubenvoll erkrankten auch in Siebenhirten viele an der Spanischen Grippe, allerdings verlief die Erkrankung nur in zwei Fällen tödlich (beide im November 1918)79
Es ist fraglich, ob die Medizin bzw. konkret die Pathologie mit den ihr damals zur Verfügung stehenden technischen Mitteln auch tatsächlich alle an der Spanischen Grippe verstorbenen Menschen korrekt als solche identifizieren konnte. Schließlich zählten in damaliger Zeit Atemwegserkrankungen (Lungenentzündung, Bronchitis, Tuberkulose, …) allgemein zu den häufigsten Todesursachen und genau deren Auftreten im Zuge des Krankheitsverlaufs war dann die tatsächliche Todesursache der Opfer der Spanischen Grippe, wie klar aus den Einträgen im Sterbebuch hervorgeht. Bei den ersten drei Todesfällen wurde im Sterbebuch neben der Todesursache Lungenentzündung/Grippe in Klammern auch „morbus iberica“ (=spanische Krankheit) angemerkt, wohl um den als Todesursache neuen Terminus „Grippe“ näher zu beschreiben. Erstaunlicherweise listete das von der Pfarre geführte Sterbebuch nicht nur Verstorbene der christlichen Konfessionen (inkl. russisch-orthodox) auf, tatsächlich finden sich darin auch Einträge zu zwei damals verstorbenen muslimischen Kriegsgefangenen aus Russland. Jüdische Opfer dieser Krankheit wären wohl in den Matriken der jüdischen Gemeinde Mistelbach festgehalten worden, allerdings gingen diese nach Auflösung der Gemeinde 1938 leider verloren, sodass etwaige jüdische Opfer der Spanischen Grippe in Mistelbach nicht nachverfolgt werden können. Allerdings finden sich in dem sehr umfangreichen und detailliert recherchierten Werk80 von Frau Prof. Ida Olga Höfler zu den Biografien der jüdischen Bevölkerung des Bezirks Mistelbach keine Informationen zu an dieser Krankheit verstorbenen Personen unter der jüdischen Bevölkerung Mistelbachs.
* 31.5.1902, Breitenlee bei Wien (heute: Teil von Wien-Donaustadt)
† 12.4.1999, Wiener Neustadt
Kuntner wurde 1902 als Sohn des Emil Kuntner, eines Buchhalters in der Stadlauer Lackfabrik, und dessen Gattin Theresia, geb. Mörth, einer Schmiedemeisterstochter in der damals noch eigenständigen niederösterreichischen Gemeinde Breitenlee bei Wien (1938 nach Wien eingemeindet) geboren.81 Nachdem sein Vater 1907 an Tuberkulose verstorben war, wuchs er als einziges Kind seiner Eltern – ein jüngerer Bruder verstarb im Säuglingsalter – im Elternhaus der Mutter auf. Kuntner besuchte die Volksschule in Breitenlee und Hirschstetten und nach dem Absolvieren der Bürgerschule in Stadlau setzte er seine Ausbildung ab 1916 an der Lehrerbildungsanstalt in Wiener Neustadt fort. Da tägliches Pendeln große finanzielle und zeitliche Opfer bedeutet hätte, wohnte Kuntner den Großteil seiner Studienzeit in dem im Wiener Neustädter Neukloster untergebrachten Konvikt. Die autoritäre Führung und der stark konfessionelle Einfluss in Schule und Konvikt widerstrebten Kuntner und er wurde ein Anhänger des sozialdemokratischen Schulreformers Otto Glöckel, dessen Ideen ihn in seiner freisinnigen Weltanschauung bestärkten. Politische Betätigung war an der streng geführten Schule nicht möglich, doch schon bald nach der 1921 mit ausgezeichnetem Erfolg abgelegten Reifeprüfung, führte ihn sein Weg zur Sozialdemokratie.82
Ab 1922 war er als Volksschullehrer zunächst in Ringelsdorf, kurz darauf in Hohenau und ab 1923 bereits in Rabensburg83 tätig. Sein niedriges Junglehrergehalt, insbesondere in Zeiten der damals herrschenden Hyperinflation, besserte sich Kuntner auf, indem er privat zusätzlich Geigenunterricht erteilte.84 Am 24. August 1926 ehelichte er die aus Hohenau stammende und an der dortigen Schule tätige, vier Jahre ältere Lehrerkollegin Maria Hubinger in der Pfarre Maria Treu in Wien-Josefstadt.85 Nach dem Ablegen der Lehrbefähigungsprüfung für Bürgerschulen im Jahre 1927 unterrichtete Kuntner fortan an der Hohenauer Bürgerschule bzw. dem Nachfolger dieses Schultyps: der Hauptschule.86
Bereits 1921 trat er der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschösterreichs (SDAP)87, der Vorläuferpartei der heutigen SPÖ, bei und während seiner Zeit in Rabensburg war er als Schriftführerstellvertreter (1925) bzw. Schriftführer (1926) der dortigen Lokalorganisation (=Ortspartei in der damaligen Parteidiktion) aktiv.88 Später nach seinem Wechsel an die Hohenauer Bürgerschule bekleidete er in der dortigen Lokalorganisation ebenfalls diese Funktion.89 Der damalige sozialdemokratische Bürgermeister von Hohenau und Landtagsabgeordnete Franz Popp, von Beruf ebenfalls in Wiener Neustadt ausgebildeter Lehrer, wurde zu Kuntners politischem Mentor. Kuntner zog im Zuge der Gemeinderatswahl 1929 für die Sozialdemokraten in den Gemeinderat ein und übernahm hier bereits in jungen Jahren die wichtige Funktion des Finanzreferenten der Gemeinde Hohenau.90 Kuntners erste Funktionsperiode als Gemeinderat endete jedoch bereits nach sechs Monaten, da die Mandatare der „Vereinigten Volkspartei“ – zu der sich Christlichsoziale und Großdeutsche zusammengeschlossen hatten – ihre Mandate niederlegten und so eine Auflösung des Gemeinderates durch die Landesregierung erzwangen. Doch die seitens der Bürgerlichen gegen den Bürgermeister erhobenen Vorwürfe des Amtsmissbrauchs, mit der sie ihre Mandatsniederlegung zu rechtfertigen suchten, erwiesen sich als haltlos und das wahltaktische Manöver in der Hoffnung die absolute Mehrheit der Sozialdemokraten zu brechen blieb erfolglos. Die Neuwahl Ende Juli 1930 brachte lediglich eine geringfügige Stimmenverschiebung, die auf die Mandatsverteilung keinerlei Auswirkung hatte und natürlich wurde Kuntner abermals in den Gemeinderat gewählt.91 In der Folge stieg Kuntner innerhalb der Partei 1931 zum geschäftsführenden Bezirksobmann der Bezirksorganisation Hohenau-Zistersdorf auf92, und gehörte ab 1932 dem neugegründeten Gebietsausschuss der SDAP für das Marchfeld an.93 All dies endete jäh durch die Geschehnisse des 12. Februar 1934, als ausgehend von Linz der Widerstand des Republikanischen Schutzbundes – der sozialdemokratischen Wehrformation – gegen eine polizeiliche Hausdurchsuchung zu einem einige Tage währenden blutigen Bürgerkrieg eskalierte. Auf Anordnung des Landesgerichts für Strafsachen II in Wien wurden noch an jenem 12. Februar die führenden Sozialdemokraten in Hohenau, ebenso wie der Parteikader in allen anderen Teilen Österreichs, festgenommen.94 Kuntner wurde wegen Landesverrats in das Bezirksgericht Zistersdorf eingeliefert, da gegen ihn der Verdacht „der Beihilfe zum Waffenschmuggel“ erhoben wurde. Schon nach dem Verbot der NSDAP und der KPÖ im Jahr 1933 wurden unter dem nach Ausschaltung des Parlamentarismus diktatorisch regierenden Kanzler Dollfuß sogenannte Anhaltelager eingerichtet in denen das Führungspersonal dieser Bewegungen, zumindest zeitweilig, festgehalten wurde. Nach dem auf die Februarkämpfe folgenden Verbot der sozialdemokratischen Partei und ihrer Organsiationen entstanden, neben dem zum Synonym gewordenen Anhaltelager in Wöllersdorf (Bezirk Wiener Neustadt), österreichweit eine Vielzahl kleiner und kurzzeitig genutzter Anhaltelager. Auch in Zistersdorf war ein solches Anhaltelager im Frühjahr 1934 im Gasthof Wallner eingerichtet worden und Kuntner wurde im Anschluss an die monatelange Untersuchungshaft im Arrest des Bezirksgerichts dorthin überstellt und von 24. Mai bis 6. Juni 1934 unter Gendarmeriebewachung weiter festgehalten95. Aus Mangel an Beweisen wurde letztlich keine Anklage gegen ihn erhoben, doch auch nach seiner Freilassung stand Kuntner weiterhin unter Polizeiaufsicht.96
Während der Untersuchungshaft wurde er mit 1. April 1934 aus politischen Gründen als Lehrer zwangspensioniert und damit seiner Existenzgrundlage beraubt. Den engen Zusammenhalt der Wiener Neustädter Lehrer, auch in schwierigen Zeiten, zeigt jedoch die Tatsache, dass Kuntner aufgrund der Fürsprache des damaligen niederösterreichischen Landesschulinspektors Dr. Heinrich Güttenberger – seines ehemaligen Klassenvorstands in Wiener Neustadt – ab 1. Oktober 1934 als Hauptschullehrer an der Volks- und Hauptschule für Mädchen in Bruck a.d. Leitha wieder in den Schuldienst aufgenommen werden konnte.97 1936 übernahm er aufgrund der Erkrankung des Direktors der Brucker Knabenschule deren (provisorische) Leitung bis er am 13. März 1938, dem Tag nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Österreich, seitens der neuen nationalsozialistischen Machthaber der Leitung enthoben wurde.98 In der Folge unterrichtete Kuntner wieder als Hauptschullehrer an der Mädchenschule, und übernahm während des Krieges zeitweilig auch deren provisorische Leitung, bevor er 1941 zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Zunächst an der französischen Westküste eingesetzt, leistete er später an der 1943 von der deutschen Kriegsmarine in St. Wolfgang im Salzkammergut eingerichteten „Seeberufsfachschule“, die der Heranbildung von Marine-Unteroffizieren diente, seinen Dienst.99 Zu Kriegsende geriet Kuntner in amerikanische Kriegsgefangenschaft aus der er 1946 nach Bruck an der Leitha zurückkehrte, wo er seine Tätigkeit als Lehrer wieder aufnahm. Hier engagierte er sich in der Gewerkschaft der öffentlichen Angestellten und wurde 1948 als Vertreter der SPÖ in den Bezirksleitungsausschuss entsandt.100
Auf eigenes Ersuchen an den Landesschulrat konnte er im Februar 1949 wieder an die Hohenauer Hauptschule zurückkehren101 und übernahm mit Beginn des Schuljahres 1951/52, als eine Teilung der Schule in eine Knaben- und eine Mädchenhauptschule erfolgte, die Leitung der Knabenhauptschule.102 Nach seiner Rückkehr nach Hohenau engagierte er sich vielseitig in der Partei und ihren Teilorganisationen:
er beteiligte sich im Juni 1949 an der Wiedergründung des ursprünglich 1923 gegründeten Arbeiter-Gesangsvereins „Freiheit“ und war über viele Jahre dessen Chormeister103; ab 1951 war er langjähriger Obmann der Bezirksgruppe Gänserndorf des Sozialistischen Lehrerverein Österreichs104; er gehörte ab 1950 dem Ausschuss der Gänserndorfer Bezirks-SPÖ an105, war ab 1953 stellvertretender106 bzw. später geschäftsführender Obmann der Bezirksorganisation107;
Kuntner der bereits Anfang der 30er Jahre als Sportwart im Arbeitersportverein Hohenau aktiv war108, führte den Verein in den 1950er als Obmann und damit zu jener Zeit als dessen Fußballsektion in der Staatsliga B, der zweihöchsten Spielklasse, spielte.109 In weiterer Folge war er darüber hinaus als langjähriger Bezirksobmann der sozialistischen Gemeindevertreter und Mitglied im Kontrollausschuss des Gänserndorfer Bezirksfürsorgeverbandes aktiv.110
Im Zuge der ersten Gemeinderatswahlen nach dem Krieg, 1950, wurde Kuntner abermals in den Hohenauer Gemeinderat gewählt und in der konstituierenden Gemeinderatssitzung zum geschäftsführenden Gemeinderat (Vorsitz im Finanz- und Rechtsausschuss) und Vizebürgermeister gewählt.111 Nach dem plötzlichen Tod von Bürgermeister Thomas Hawlin im Juni 1954 wurde Kuntner schließlich am 14. Juli diesen Jahres zum Bürgermeister der Marktgemeinde Hohenau gewählt.112 Während seiner Amtszeit wurde die Infrastruktur der Gemeinde in Form von Wasserleitungs-, Kanal- und Straßenbau und dem Anlegen von Gehsteigen massiv ausgebaut und zahlreiche Projekte, wie etwa die Errichtung des Kinderbades, des Feuerwehrzeughauses und der Leichenhalle, sowie der Zubau zu Rathaus bzw. Hauptschule und der Ausbau des gemeindeeigenen Kinos konnten realisiert werden. Durch die Förderung des sozialen Wohnbaus und der Errichtung von Siedlungen verdoppelte sich die Anzahl der Gebäude in Hohenau während seiner Amtszeit.113
1960: Landeshauptmannstellvertreter Franz Popp (l.) mit seinem politischen Ziehsohn und Nachfolger als Schul- u. Kulturreferent der Landesregierung Emil Kuntner
Im Oktober 1954 wurde Kuntner als Kandidat der SPÖ auch in den niederösterreichischen Landtag gewählt und war ab diesem Zeitpunkt als Direktor der Knabenhauptschule beurlaubt. In Anerkennung seiner Verdienste als Lehrer und Direktor wurde ihm im Dezember 1956 durch eine der letzten Amtshandlungen des kurz darauf verstorbenen Bundespräsidenten Theodor Körner der Berufstitel Oberschulrat verliehen.114 Als sich sein Mentor Franz Popp, der 1945 zum Landeshauptmannstellvertreter aufgestiegen war, 1960 aus Altergründen aus der Landespolitik zurückzog, folgte ihm Kuntner als Mitglied der Landesregierung nach und übernahm auch die von ihm geführten Bereiche Bildung und Kultur. Als Landesrat115 war Kuntner für die Leitung des Schul- und des Kulturreferats, des Kindergartenreferats sowie für die Leitung des von seinem Vorgänger ins Leben gerufenen Schulbaufonds, mittels dem während Kuntners Amtszeit hunderte neue Schulgebäude in ganz Niederösterreich errichtet werden konnten, verantwortlich. Weiters oblag ihm die Umsetzung der 1962 auf Bundesebene beschlossenen, umfassenden Schulreformen in Niederösterreich. Als Kulturlandesrat förderte er den Ausbau der Heimatmuseen und die Kulturträger auf dem Land in Form der Chöre, Musikvereine und Theatergesellschaften.116 In den 1960er Jahren gehörte Kuntner auch dem Vorstand der SPÖ Niederösterreich an117 und war als Vertreter seiner Partei weiters Mitglied in verschiedenen Gremien in der Einflusssphäre des Landes, wie etwa im Aufsichtsrat der NIOGAS (heute: EVN), oder dem Kuratorium der Landeshypothekenanstalt für Niederösterreich an.118 Anfang Juni 1967, unmittelbar nach seinem 65. Geburtstag, und nach 13 Jahren an der Spitze der Gemeinde zog er sich aus der Kommunalpolitik zurück119, und beendete zu diesem Zeitpunkt auch offiziell seinen Dienst als Schulleiter, von dem er seit seiner Wahl zum Landtagsabgeordneten beurlaubt war. Aufgrund seiner herausragenden Verdienste um das Wohl der Gemeinde wurde er anlässlich dieses halbrunden Geburtstages zum Ehrenbürger Hohenaus ernannt.120 Auch zahlreiche weitere Ehrungen, wie etwa die Verleihung der großen Victor Adler-Plakette durch seine Partei wurden ihm zu diesem Anlass zuteil.121
1967: Landesrat Kuntner (l.) bei der Überreichung der Ehrenbürgerurkunde durch den Mistelbacher Vizebürgermeister Johann Leithner (r.)
Während eines Besuchs im Mistelbacher Heimatmuseum im Jahr 1962 erörterte ihm der damalige Museumsleiter Direktor Fritz Bollhammer die Pläne für die Erweiterung und Erneuerung des damals im Barockschlössl untergebrachten Museums, die auch eine Sanierung des Gebäudes umfasste. Kuntner sicherte seine Unterstützung zu und wenige Jahre später konnte dieses umfangreiche Projekt dank großzügiger finanzieller Unterstützung seitens des Landes realisiert und das neue Heimatmuseum im Juni 1967 im Beisein des zuständigen Landesrates eröffnet werden.122 Auch den Ausbau des Pflichtschulen und den Weg Mistelbachs zur Schulstadt im östlichen Weinviertel unterstützte er nach Kräften. Anfang Juli 1967 beschloss daher der Mistelbacher Gemeinderat „in Würdigung seiner besonderen Verdienste um die kulturellen und schulischen Belange der Stadtgemeinde Mistelbach und in Dankbarkeit für die Unterstützung bei der Neugestaltung des Heimatmuseums“ einstimmig die Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Landesrat Kuntner.123 Aus ähnlichen Gründen wurde ihm im Jahr darauf auch das Ehrenbürgerrecht der Stadt Gmünd verliehen124 und vermutlich wurden ihm noch viele weitere Auszeichnungen dieser Art zuteil.
Im Juli 1969 schied Kuntner schließlich nach knapp neun Jahren aus der Landesregierung und der aktiven Politik aus. Von 1971 bis 1984 folgt er einmal mehr seinem Freund und Mentor Franz Popp in einer Funktion nach, und zwar als Obmann der Absolventenvereinigung „Allzeitgetreu – Verein der in Wiener Neustadt und Baden herangebildeten Lehrer und Lehrerinnen“, der er seit Abschluss seiner Ausbildung, 1921, angehörte. Anlässlich seines Ausscheidens aus dem Vorstand dieses Vereins wurde er in Würdigung seiner Verdienste zum Ehrenobmann ernannt.125
Nach der Scheidung seiner ersten Ehe 1973, ehelichte er zwei Jahre später Regierungsrätin Edith Wildmann, geb. Schanzer (*1917, †2012). Auch seine zweite Gattin war ausgebildete Lehrerin, später Schuldirektorin und Bezirksschulinspektorin in Mödling und über Jahrzehnte als SPÖ-Mandatarin Mitglied des Mödlinger Gemeinderats und von 1980 bis 1985 Vizebürgermeisterin der Stadt.126 Hier in Mödling verbrachte Kuntner auch seine letzten Lebensjahre.
Das Porträt Kuntners im Sitzungssaal des Hohenauer Rathauses
Laut dem 2001 in aktualisierter Form neu herausgegebenen Hohenauer Heimatbuch wurde seine einstige Wirkungsstätte, das Hauptschulgebäude, im Zuge der Wiedereröffnung nach einem umfassenden Umbau 1980 „Emil Kuntner-Hauptschule“ benannt.127 Weiters wurde Altbürgermeister Kuntner 1992, anlässlich seines 90. Geburtstags, auch der Ehrenring der Gemeinde Hohenau verliehen.
Auch heute noch ist der Name Kuntners auf dem (früheren) Hauptschulgebäude, in dem mittlerweile die Neue Mittelschule beheimatet ist, verewigt.
Nach längerer Krankheit verstarb Emil Kuntner am 12. April 1999 im 97. Lebensjahr im Wiener Neustädter Krankenhaus und wurde am 27. April 1999 auf dem Mödlinger Friedhof bestattet. In der Sitzung vom 26. März 2009 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat eine im neu erschlossenen Siedlungsgebiet unterhalb der Dr. Körner-Straße angelegte Straße Emil Kuntner-Straße zu benennen.128
Bildnachweise:
-) Fotoausschnitt Franz Popp und Emil Kuntner: Niederösterreichischer Volksbote Nr. 43/1960, S. 3
-) Foto Verleihung Ehrenbürgerurkunde: Bildbote – Nö. Volksbote Nr. 38/1967, S 3
-) Porträtgemälde Gemeindesitzungssaal: zur Verfügung gestellt vom Amtsleiter der Gemeinde Hohenau Herrn Erwin Gradner
Quellen: -) Eintrag zu Emil Kuntner In: Biografisches Handbuch des NÖ Landtages und der NÖ Landesregierung 1921 – dato
-) Niederösterreichische Landeskorrespondenz, 28. April 1999, Blatt 10
-) Aglas, Erwin H.: Die Zweite Österreichische Republik und ihre Repräsentanten – politische Leistung im Spiegel des wirtschaftlichen Erfolges (1960), S. 116, 233
-) Niederösterreichische Lehrerstimme – Mitteilungsblatt der Landesgruppe Niederösterreich des Sozialistischen Lehrervereines Österreichs, Jg. 17, Nr. 5, Mai 1962, S. 3f
-) Weinviertler Nachrichten, Nr. 23/1962, S. 3
-) Mitteilung des „Allzeitgetreu“ – Verein der in Wiener Neustadt und Baden herangebildeten Lehrer und Lehrerinnen, Jg. 62, Nr. 3, März 1967, S. 2 (Anm.: fälschlicherweise wird hier erwähnt, dass Kuntner erst ab 1924 als Volksschullehrer unterrichtete, ebenso falsch ist die Angabe Kuntner sei bereits 1946 Hauptschuldirektor in Hohenau geworden)
-) Volksbote, Nr. 21/1967, S. 1
-) Mitteilung des „Allzeitgetreu“ – Verein der in Wiener Neustadt und Baden herangebildeten Lehrer und Lehrerinnen, Jg. 67, Nr. 2, April 1972, S. 1f (Anm.: fälschlicherweise wird hier angeführt Kuntner sei von 1956 is 1969 Bürgermeister von Hohenau gewesen)
-) Inform des Vereins „Allzeit getreu“ der Absolventen der Lehrerbildungsanstalt des musisch-pädagogischen Realgymnasiums und des Bundesoberstufenrealgymnasiums Wr. Neustadt, Jg. 92, Nr. 2, Juni 1999, S. 10 (Anm.: fälschlicherweise wird hier erwähnt, dass Kuntner erst ab 1924 als Volksschullehrer unterrichtete)
-) Schultes, Anton/Zelesnik, Robert/Kremsmayer, Ulla: Hohenau – Ein Heimatbuch (2001), S. 266
Im Sommer des Jahres 1866 eskalierte der bereits seit einiger Zeit zwischen Österreich und Preußen schwelende Konflikt um die Vorherrschaft im Deutschen Bund schließlich zum deutschen Bruderkrieg. Am 14. Juni 1866, dem Tag der Kriegserklärung, wurde in der in Wien herausgegebenen und bei Gewerbetreibenden und Kleinbürgern populären, katholisch-zentralistisch ausgerichteten „Gemeinde-Zeitung“ folgende Einsendung veröffentlicht:114
„Geehrte Redaction! Von Ihrem Patriotismus überzeugt, bitte ich um gefällige Aufnahme folgender Zeilen in Ihr sehr verbreitetes Blatt: Nachdem der Herr Minister Bismarck sich der preußischen Landwehr anschließen und gegen Österreich kämpfen will, so gebe ich demjenigen Österreicher 20 Gulden (österr. Währung), der dem Unheilstifter und Verpester der Moral – Bismarck – eine Ohrfeige applizirt, und 50 Gulden (österr. Währung), dem, der ihm in offenem Kampfe seinen Glatzkopf durchlöchert.
Mit Hochachtung zeichnet ergebenst Franz Xav. Rößler, Realitätenbesitzer Nr. 79, Paasdorf bei Mistelbach N.-Oe., 8. Juni 1866“
Der Paasdorfer Kaufmann und Wirtschaftsbesitzer Franz Xaver Rößler, hätte sich wohl nicht träumen lassen, welche Konsequenzen diese in patriotischem Übermut in der aufgeheizten Stimmung des Säbelrasselns zwischen Österreich und Preußen verfasste Einsendung schon kurze Zeit später haben sollte. Anfang Juli erlitten Österreich und seine Verbündeten bei Königgrätz eine vernichtende Niederlage, die den Krieg frühzeitig entschieden hatte. Die Preußen stießen nach ihrem Triumph rasch weiter Richtung Wien vor und zogen am Morgen des 17. Juli 1866 von Paasdorf kommend in Mistelbach ein. Zu Kampfhandlungen in der Umgebung kam es nicht mehr, da sich die österreichischen Truppen zurückgezogen hatten und ab 22. Juli herrschte bereits Waffenstillstand, aufgrund des Beginns der Verhandlungen zum Vorfrieden von Nikolsburg. Vor dem Heranrücken der Preußen herrschte große Unsicherheit und viele Menschen flüchteten in die Keller und Wälder und versteckten ihre Wertsachen. Es zeigte sich jedoch, dass die Zivilbevölkerung von den Feindestruppen keine Übergriffe zu fürchten hatte. Trotzdem litt die Bevölkerung unter der wochenlang dauernden Einquartierung von tausenden Soldaten (zu Spitzenzeiten rund 9000(!) alleine in Mistelbach, Lanzendorf und Ebendorf) und der damit einhergehenden Verpflegung dieser Truppen, die alle Vorräte verschlang, und nicht zuletzt durch die eingeschleppte Cholera, die viele Menschenleben fordern sollte.129
Auch Rößler, der besonderen Grund zur Furcht vor den Preußen hatte, versteckte sich vorsichtshalber zunächst vor dem herannahenden Feind, doch wähnte er sich wohlmeinender Warnungen zum Trotz zu früh in Sicherheit und verließ sein Versteck. Die außergewöhnliche, jedoch unbedeutende Annonce wäre in den Kriegswirren zweifellos untergegangen, hätte nicht der Landwirt Mathias Fink aus Atzelsdorf dafür gesorgt, dass die Preußen Kenntnis von dieser Veröffentlichung erhielten. Seine geschäftliche Tätigkeit hatte Rößler immer wieder auch als Kläger vor Gericht geführt130 und da Finks Bruder Michael zwei Jahre zuvor einen Rechtsstreit gegen Rößler verloren hatte, der letztlich die gerichtliche Feilbietung der Wirtschaft der Familie Fink zur Folge hatte131, nutzte Mathias Fink diese Gelegenheit für seine Familie Rache zu nehmen132.
Am 29. Juli 1866, und bereits nach Abschluss des Vorfriedens, zogen der geschmähte preußische Kanzler Otto von Bismarck und der preußische König und nachmalige deutsche Kaiser Wilhelm I., auch durch Mistelbach und bei einem Halt vor dem Gasthaus „Zum Weißen Rössl“, also im Kreuzungsbereich Mitschastraße/Bahnstraße („Frohnerkreuzung“), hielten sie eine kurze Lagebesprechung mit Offizieren ab.133 Wenige Stunden zuvor war Bismarck während eines kurzen Zwischenstopps in Poysdorf nur knapp einem Schussattentat entgangen, dass von Angehörigen des verhinderten Schützen Franz Korschan – von den Preußen unbemerkt – in letzter Sekunde noch vereitelt werden konnte.134
Es ist wohl kein Zufall, dass Rößler genau an jenem Tag an dem Bismarck sich in Mistelbach aufhielt bzw. ihn sein Weg nach Ladendorf wohl auch durch Paasdorf führte, in Gewahrsam genommen wurde. Er wurde bei der Feldarbeit festgenommen, nach Mistelbach gebracht und verhört. Anschließend wurde er geknebelt und auf einem Wagen nach Wilfersdorf gebracht. Die Nacht über sperrte man ihn dort in einen Keller vor dem Wachen postiert wurden und anderntags wurde er auf einem Pferd festgebunden Richtung Nikolsburg fortgebracht. Von hier aus durfte Rößler seinen Angehörigen schreiben, und teilte ihnen mit, dass er nach Berlin gebracht würde. Über Wochen folgte vorerst kein weiteres Lebenszeichen von ihm. Rößlers ungewisses Schicksal wurde von mehreren Zeitungen aufgegriffen135 und beschäftigte auch den niederösterreichischen Landesausschuss im Rahmen eines Berichts des Landtagsabgeordneten Czedik von Bründelsberg, der von den Zuständen während der Zeit der Besatzung bzw. Übergriffen der preußischen Truppen handelte136.
Tatsächlich wurde Rößler bis 2. August in Nikolsburg festgehalten und in den folgenden Wochen vom 2. Bataillon des pommer‘schen Infanterie-Regiments Nr. 61 bis nach Böhmisch Neustadtl an der österreichisch-preußischen Grenze als Kriegsgefangener mitgeschleppt. Außer zu den Mahlzeiten (nur Wasser und Brot) bzw. während der Verrichtung der Notdurft war Rößler permanent gefesselt und wurde von den Preußen geschlagen und beschimpft („Du österreichischer Hund, Du „Benedek“! – Anm: Benedek war der Heerführer der geschlagenen Truppen in der Schlacht bei Königgrätz). Zuletzt wurde er in der Wachstube des Rathauses von Böhmisch-Neustadtl gefangen gehalten und schließlich als die Preußen Richtung Görlitz über die Grenze abrückten, wurde Rößler von einem preußischen Offizier mit den Worten „er soll sich nachhause packen“ am 2. September 1866 nach mehr als einmonatigen Martyrium freigelassen.137 Auf seinem Rückweg wurde Rößler große Hilfe und Anteilnahme der Bevölkerung zuteil, sodass er bald darauf wieder seinen Heimatort erreichte.
Anderslautende Zeitungsberichte, etwa dass Rößler in der schlesischen Festung Glogau in Kerkerhaft gewesen sei138 und trotz der harten Marter mit seiner standhaften patriotischen Gesinnung die Preußen so beeindruckt habe, dass man ihn schließlich nachdem ihm Kanzler Bismarck großmütig seine Beleidigung vergeben habe, laufen ließ, beruhen auf Fehlinformationen bzw. erscheinen als Versuch patriotischer Glorifizierung139. Es ist wohl eher auszuschließen, dass Bismarck in diesen für ihn und Preußen so bedeutenden Tagen mit solch einer Bagatelle belästigt worden wäre, sondern Rößlers Leidensgeschichte dürfte ebenso wie die kurzzeitige Verhaftung der Beamten des Mistelbacher Bezirksamts wegen Spionageverdachts140 auf den Übereifer preußischer Offiziere zurückzuführen sein. Offenbar wollte man an Rößler ein Exempel statuieren, doch wie dessen unspektakuläre und plötzliche Freilassung zeigt, wussten Rößlers Peiniger, auch in Anbetracht des kurz zuvor geschlossenen Prager Friedens, letztlich nicht was sie mit ihrem Gefangenen weiter anfangen sollten. Insofern scheint es auch unwahrscheinlich, dass die in einzelnen Zeitungsberichten erwähnten Interventionsversuche, des wenig zuvor kurzzeitig festgenommenen k.k. Bezirksvorstehers in Mistelbach Jakob Nebeski zu Rößlers Freilassung beigetragen haben.
Den Denunziant Mathias Fink bestrafte das Schicksal und er verstarb kurz vor Rößlers Rückkehr an der Cholera.141 Den Strick mit dem er geknebelt war, soll Rößler als Andenken an jene schicksalshaften Wochen im Sommer des Jahres 1866 aufbewahrt haben. Er verstarb 1876 im Alter von 57 Jahren in seinem Heimatort Paasdorf.142
1906 erschien unter dem Titel „Vierzig Jahre nach Custozza und Königgrätz“ im „Neuigkeits Welt Blatt“ – dem Nachfolgeblatt der Gemeinde-Zeitung – ein Beitrag über das damalige Kriegsgeschehen, und auch Rößlers damalige Einsendung wurde als Kuriosum nochmals abgedruckt.143 Die Preußen haben in Form des außerhalb des Ortes gelegenen Cholerafriedhofs, in dem 32 preußische Krieger beigesetzt wurden, bis heute Spuren in Paasdorf hinterlassen.
Der Mistelbacher Gemeinderat beschloss in der Sitzung vom 26. März 2009, die in dem neu aufgeschlossenen Siedlungsgebiet südlich des sowjetischen Soldatenfriedhofs angelegten Straßen nach Ehrenbürgern der Stadt Mistelbach zu benennen. Unter anderem wurde eine dieser Straßen nach dem ehemaligen Landtagsabgeordneten und Landesrat Emil Kuntner benannt.
Amts-Blatt der k.k. Bezirkshauptmannschaft Gänserndorf, Nr. 45/1907, S. 183f
Mistelbacher Bote, Nr. 14/1910, S. 9 (Eröffnungsanzeige)
lt. Mitteilung von Herrn Mag. Andreas Kloner unter Verweis auf mehrere Zeitungsanzeigen
Compass 1920/21, Band VI, Industrie Österreich, Tschechoslowakei, Ungarn, Jugoslawien, S. 974;
auch in den Folgejahren scheint Lustig jährlich in den industriellen Jahrbüchern des Compass Verlags auf, allerdings mit unveränderten Angaben zum Unternehmen, sodass sich bis zu den beiden nachfolgenden genannten Bänden keine Änderungen ergaben:
Compass 1938 – Kommerzielles Jahrbuch, S. 696;
Compass 1939 – Kommerzielles Jahrbuch, S. 680;
Inserate im Mistelbacher Bote aus den 1920er und 1930er Jahren
Leisser, Willibald: Kettlasbrunn im Weinviertel (1989), S. 21
laut einer Mitteilung von Herrn Mag. Andreas Kloner berichtet der Mistelbacher Bote am 20. November 1914 sehr lobend davon, dass Herr Leopold Weinmann, dessen Sohn ebenfalls an der Front diente, dem bei ihm eingemieteten und derzeit eingerückten Spenglermeister Lustig für die Dauer des Krieges den Mietzins für sein Geschäft um die Hälfte reduzierte.
Österreichische Land-Zeitung, Nr. 33/1914, S. 10 (ONB: ANNO)
Österreichische Land-Zeitung, Nr. 30d/1916, S. 2 (ONB: ANNO)
Mistelbacher Bote, Nr. 3/1919, S. 3
Anm.: Wenig überraschend finden sich im Mistelbacher Bote um diese Zeit auch Mitteilungen anderer Handwerksbetriebe, die nachdem sie während des Krieges geschlossen waren, mit der Rückkehr ihrer Inhaber Anfang 1919 wieder die Geschäftstätigkeit aufnahmen
Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 8. Mai 1920 – Volksbote – Wochenblatt für das Viertel unter dem Manhartsberg, Nr. 20/1920, S. 4; Anm.: Abwesenheiten während der Leistung von Militärdienstzeiten hindern diese Frist nicht.
Bis zur Zuerkennung des Mistelbacher Heimatrechts war Lustig, weiterhin „nach Eisgrub (=Herkunftsort seines Vaters) zuständig“ gewesen.
Höfler, Ida Olga: Die jüdischen Gemeinden im Weinviertel und ihre rituelle Einrichtungen 1848-1939/45 – der politische Bezirk Gänserndorf, Band IV (2015), S. 1665;
lt. Wählerverzeichnis 1923 im Stadtmuseumsarchiv Mistelbach;
lt. Liste der 1929 gewählten Mitglieder des Gemeinderates samt deren Wohnadressen: Mistelbacher Bote, Nr. 46/1929, S. 3;
auch ein Zeitzeuge berichtet in: Eybel, Heinz /Jakob, Christa/Neuburger, Susanne: Verdrängt und Vergessen. Die jüdische Gemeinde in Mistelbach (2003), S. 194, davon das Lustig in der Gartengasse wohnte.
Höfler, Ida Olga: Die jüdischen Gemeinden im Weinviertel und ihre rituelle Einrichtungen 1848-1939/45 – der politische Bezirk Mistelbach, Band II (2017), S. 489f
Die Tatsache, dass beide Geschäftslokale (Kasmacher bis 1938 und Rössler jedenfalls bis Anfang/Mitte der 1930er Jahre) an andere Betriebe vermietet waren, widerspricht der Darstellung bei Prof. Höfler wonach sich Lustigs Geschäft an der Adresse Hafnerstr. 5 befunden hätte. Auch Fotos, Zeitzeugenberichte und Meldungen aus dem Amtsblatt der BH Mistelbach in Zusammenhang mit der Betriebsübernahme durch Barbara Pleininger bzw. Matthias Strobl und Anzeigen bzgl. deren Geschäftsübernahme weisen klar aus, dass sich Lustigs Betrieb über seinen Tod hinaus an der Adresse Hafnerstr. 2 befand.
Volksbote – Wochenblatt für das Viertel unter dem Manhartsberg, Nr. 4/1928, S. 5f (ANNO: ONB);
Volksbote – Wochenblatt für das Viertel unter dem Manhartsberg, Nr. 10/1929, S. 9
Volksbote – Wochenblatt für das Viertel unter dem Manhartsberg, Nr. 16/1930, S. 6;
Volksbote – Wochenblatt für das Viertel unter dem Manhartsberg, Nr. 6/1931, S. 7 (ONB: ANNO);
Volksbote – Wochenblatt für das Viertel unter dem Manhartsberg, Nr. 11/1932, S. 5 (ONB: ANNO)
Die Grenzwacht – Nachrichtenblatt für das Viertel unter dem Manhartsberg, Nr. 49/1929, S. 3f;
Neues Wochenblatt – Zeitung für das Viertel unter dem Manhartsberg, Nr. 50/1929, S. 7;
Neues Wochenblatt – Zeitung für das Viertel unter dem Manhartsberg, Nr. 44/1930, S. 9
Mistelbacher Bote, Nr. 5/1931, S. 2f – Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 30.11.1930
Mistelbacher Bote, Nr. 11/1931, S. 2 (Erwähnung des Beschwerdeschreibens der Sozialdemokratischen Fraktion an die Landeswahlbehörde in Zuge Verlesung der Posteinläufe im Rahmen der Gemeinderatssitzung vom 24.1.1931
Mistelbacher Bote, Nr. 14/1931, S. 3f – Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 10.03.1931;
Volksbote – Wochenblatt für das Viertel unter dem Manhartsberg, Nr. 12/1931, S. 7 (ONB: ANNO) (Anm.: versehentlich kam es in diesem Bericht über die Wahl in den Gemeindevorstand zu einer Namensverwechslung (Heilig statt Lustig), die bei der Fortsetzung des Berichts in der nächsten Ausgabe korrigiert wurde);
Volksbote – Wochenblatt für das Viertel unter dem Manhartsberg, Nr. 13/1931, S. 7 (ONB: ANNO)
Volksbote – Wochenblatt für das Viertel unter dem Manhartsberg, Nr. 21/1930, S. 6;
Volksbote – Wochenblatt für das Viertel unter dem Manhartsberg, Nr. 38/1932, S. 4;
Prof. Höfler nimmt aufgrund von durch das Krankenhausenhaus in Rechnung gestellten Beisetzungskosten, die im Protokoll der Verlassenschaftsabhandlung angeführt werden, an, dass Lustig seinem Leben im Krankenhaus ein Ende gesetzt hätte oder den Selbstmordversuch zunächst überlebt hätte und dann erst im Krankenhaus verstorben sei. Dem widerspricht jedoch ein Zeitzeugenbericht von Hermann Schnabel der im Buch „Verdrängt und Vergessen“ erzählt, er habe die traurig Pflicht gehabt den Toten vom Strick zu schneiden. Aufgrund dieser Schilderung scheint es also so gewesen zu sein, dass sich Lustig in seinem Haus erhängt hat. Da die Beisetzungskosten durch einen Sterbevorsorgeverein gedeckt waren, könnte es sich bei den durch das Krankenhaus verrechneten Kosten um jene für die Aufbewahrung des Leichnams bzw. Kosten der Überführung nach Wien gehandelt haben.
In ihrer biografischen Zusammenstellung zu Lustig widerlegte Frau Prof. Höfler, die in einem in der jüdischen Kulturzeitschrift David veröffentlichten Artikel (Kloner, Andreas Mathias: Die israelitische Gemeinde in Mistelbach, in: DAVID – Jüdische Kulturzeitschrift, Nr. 30 (1996), S. 14) bzw. dem Buch „Verdrängt und Vergessen“ dargelegte Annahme Lustig sei die letzte auf dem israelitischen Friedhof bestattete Person gewesen.
Höfler, Ida Olga: Die jüdischen Gemeinden im Weinviertel und ihre rituelle Einrichtungen 1848-1939/45 – der politische Bezirk Gänserndorf, Band IV (2015), S. 1662f
Anm.: In seinem Testament, das aus dem Jahr 1937 stammte, verfügte Lustig eine Einschränkung in Form einer fidekommissarischen Substitution (Nacherbschaft), indem er bestimmte, dass seinen Neffen und Nichten das vorhandene bewegliche Vermögen und einem Neffen Pleiningers die Liegenschaft Hafnerstr. 5 nach Frau Pleiningers Ableben als Nacherbe erhalten sollen. Bezüglich der Abgeltung dieser Ansprüche wurde zwischen Pleininger und Lustigs Neffen und Nichten eine gütliche Vereinbarung getroffen.
Gewerberücklegung Lustig: Amts Blatt des Landrates in Mistelbach, Jg. 57, Nr. 4 (26. Jänner 1939), S. 13f;
Übernahme Haushalts- und Küchenwarenhandel: Amts Blatt des Landrates in Mistelbach, Jg. 57, Nr. 4 (26. Jänner 1939), S. 13f;
Eröffnung Spenglerei Strobl: Mistelbacher Bote, Nr. 38/1938, S. 4;
Gewerbeverleihung Spenglerei Strobl: Amts Blatt des Landrates in Mistelbach, Jg. 57, Nr. 1 (5. Jänner 1939), S. 4;
Handel-Compass 1953, S. 450;
Handel-Compass 1954, S. 458
Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert M. (Hrsg.): 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 253
Jahresbericht des Bundesgymnasiums Wien-Döbling für das Schuljahr 1946/1947, S. 14;
Jahresbericht des Bundesgymnasiums Wien-Döbling für das Schuljahr 1947/1948, S. 18;
Jahresbericht des Bundesgymnasiums Wien-Döbling für das Schuljahr 1948/1949, S. 26;
Jahresbericht des Bundesgymnasiums Wien-Döbling für das Schuljahr 1949/1950, S. 26;
Bericht über das Schuljahr 1951/52 Bundesgymnasiums Wien XIX, S. 7
Personalstand der Welt- und Ordensgeistlichkeit der Erzdiözese Wien 1954, S. 81;
Personalstand der Welt- und Ordensgeistlichkeit der Erzdiözese Wien 1956, S. 88
Doelken, Theodor/Strute, Karl: Who’s who in Austria: 1982-1983 (1983), S. 44
Weinviertler Nachrichten, Nr. 28/1974, 11. Juli 1974, S. 2
Personalstand der Welt- und Ordensgeistlichkeit der Erzdiözese Wien 1958, S. 321
Personalstand der Welt- und Ordensgeistlichkeit der Erzdiözese Wien 1961, S. 81; Punz, Mag. Dr. Wolfgang: „Dechant Adalbert Kowatschitsch“ In: Korneuburger Kulturnachrichten (2000), S. 50
Wiener Kirchenzeitung, Nr. 19/1980, Jg. 131 (11. Mai 1980), S. 6
Personalstand der Erzdiözese Wien 1963, S. 21
Personalstand der Erzdiözese Wien 1966, S. 167;
Personalstand 1969, S. 186, 645
Personalstand der Erzdiözese Wien 1972, S. 201;
Personalstand der Erzdiözese Wien 1975, S. 181, 187, 393;
Personalstand der Erzdiözese Wien 1978, S. 194, 309, 322
Weinviertler Nachrichten, Nr. 24/1980 (12. Juni 1980), S. 5;
„NÖN“ NÖ Nachrichten, Nr. 19/1980 (8. Mai 1980), S. 5;
Jakob, Christa: Kulturdenkmäler Ortsgemeinden Mistelbach, Band II (2015), S. 368
Weinviertler Nachrichten, Nr. 24/1980 (12. Juni 1980), S. 5
Weinviertler Nachrichten, Nr. 17/1974 (25. April 1974), S. 4;
Weinviertler Nachrichten, Nr. 24/1980 (12. Juni 1980), S. 5
Personalstand der Erzdiözese Wien 1981, S. 502;„NÖN“ NÖ Nachrichten, Nr. 19/1980 (8. Mai 1980), S. 5;
Weinviertler Nachrichten, Nr. 20/1980 (15. Mai 1980), S. 7
Protokoll der Sitzung des Mistelbacher Gemeinderates vom 14.12.2004
Spreitzer, Prof. Hans: „Von den Häusern, Straßen, Gassen und Plätzen Mistelbachs“ in: Mistelbach GeschichteI (1974), S. 216, 219, : Mistelbach I (1974), S. 219
Pfarre Mariahilf-Wien: Trauungsbuch (1899-1904), Fol. 91 Eintrag Trauungsbuch Pfarre Mariahilf-Wien
bzw. Delegationseintrag:
Pfarre Mistelbach: Trauungsbuch (1898-1911), Fol. 30 Eintrag Trauungsbuch Pfarre Mistelbach
Anm.: während Schreiber im Eintrag der Pfarre Mistelbach nur als Wirtschaftsbesitzer (=Landwirt) bezeichnet wird, findet sich im Eintrag der Pfarre Mariahilf als Berufsangabe Gastwirt und als Nachtrag zusätzlich „Wirtschaftsbesitzer“ eingefügt
laut Einträgen in den Taufbüchern der Pfarre Mistelbach im Zeitraum 1901-1909
Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach (1901), S. 277 (Liste der bis Ende 1900 errichteten Häuser der Stadt)
Noch beim Eintrag im Trauungsbuch im Februar 1900 wird Schreibers Adresse mit Hauptplatz Nr. 6 angegeben.
Als Indiz für erheblichen Wohlstand kann wohl die Tatsache ins Treffen geführt werden, dass Schreiber nach dem damaligen Zensus- und Kurienwahlrecht, dass die Wähler nach ihrer Steuerleistung klassifizierte, dem ersten Wahlkörper angehörte (siehe: Fitzka, Karl: Ergänzungs- und Nachtragsband zur Geschichte der Stadt Mistelbach (1913), S. 127
Bote aus Mistelbach, Nr. 38/1905, S. 4
Mistelbacher Bote, Nr. 36/1908, S. 4
Fitzka, Karl: Ergänzungs- und Nachtragsband zur Geschichte der Stadt Mistelbach (1913), S. 127, 214;
Bayer, Franz/Spreitzer, Prof. Hans: „Der Mistelbacher Gemeinderat seit der Stadterhebung“ In: Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart – Heimatkundliche Schriftenreihe der Stadtgemeinde Mistelbach, Band I (1964), S. 169f, 195 bzw. die aktualisierte Version „Die Bürgermeister Mistelbachs ab 1850, Die Stadträte und Gemeinderäte Mistelbachs seit der Stadterhebung im Jahre 1874“ In: Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart – Heimatkundliche Schriftenreihe der Stadtgemeinde Mistelbach, Band III (1982), S. 113; (Anm.: die Amtsdauer Schreibers als Stadtrat wird bei beiden Beiträgen fälschlicherweise mit 1911 bis 1921 angegeben.)
Wochen-Zeitung für das Viertel unter dem Manhartsberge, Klosterneuburg u. Umgebung, Nr. 23/1911, S. 2
Wochen-Zeitung für das Viertel unter dem Manhartsberge, Klosterneuburg u. Umgebung, Nr. 3/1912, S. 11
Fitzka, Karl: Ergänzungs- und Nachtragsband zur Geschichte der Stadt Mistelbach (1913), S. 215;
Festschrift 100 Jahre Sparkasse der Stadt Mistelbach In: Mistelbacher in Vergangenheit und Gegenwart, Band I (1962-1969), S. 513 (Anm.: Entgegen den Angaben auf Seite 514 fand die Neuwahl des Ausschusses und Direktoriums der Sparkasse nicht im Dezember 1918, sondern bereits im Dezember 1917 nach Ablauf der 6-jährigen Funktionsperiode statt. Siehe hierzu auch: Österreichische Land-Zeitung, Nr. 2/1918 (23. Jänner 1918), S. 2 (ONB: ANNO); Österreichische Land-Zeitung, Nr. 3d/1918 (12. Jänner 1918), S. 12 (ONB: ANNO))
Österreichische Land-Zeitung, Nr. 8/1916 (19. Februar 1916), S. 16 (ONB: ANNO)
Österreichische Land-Zeitung, Nr. 8c/1916 (22. Februar 1916), S. 3 (ONB: ANNO)
Niederösterreichische Wochen-Zeitung, 26. Mai 1922 (4. Jg. – Nr. 21) S. 4
ÖVP-Fraktion Mistelbach (Hrsg.): Bilanzbuch Bgm. Ing. Christian Resch (2000), S. 23;
Sitzungsprotokoll des Mistelbacher Gemeinderates vom 7. März 2001
Mistelbacher Bote, Nr. 42/1918, S. 4
Frauenhaar und Frauenzimmer (2011), S. 64f Band XI der Reihe Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart;
Bericht über die Nutzung der Knabenschule als Teil des Vereins-Reservespitals: Neues Wochenblatt für das Viertel unter dem Manhartsberg, Nr. 32/1918, S. 7
möglicherweise war die als „Armenpfrüdnerin“ bezeichnete gebürtige Schleinbacherin bereits zuvor in einer Mistelbacher Sozialeinrichtung untergebracht
Beilage „Unterm Manhartsberg zur Österreichische Land-Zeitung Nr. 44, 2. November 1918 (ONB: ANNO)
Eine Mistelbacherin, Else Ribing, die sich bei ihrem Freiwilligendienst als Krankenschwester in einem Lazarett mit der Grippe infizierte und in Wien verstarb, wird natürlich aufgrund ihrer Beisetzung auf dem Mistelbacher Friedhof im Sterbebuch der Pfarre angeführt. Für die Zwecke der hier geführten Statistik, als „nicht in Mistelbach erkrankte Person“ und damit nicht in der Zahl der Todesfälle berücksichtigt
Die Identifikation der in Mistelbach wohnhaften Toten ist aufgrund der spärlichen Angaben im Sterbebuch bzw. der damals gültigen Heimatzuständigkeit (die über den Wohn- bzw. Dienstort nicht zwingend etwas aussagte) schwierig. Sofern die Person nicht im Krankenhaus verstarb, wurde im Zweifel eine lokale Adresse als Todesort, als Indiz für einen gewöhnlichen Aufenthalt in Mistelbach gewertet.
Stubenvoll, Franz: Siebenhirten bei Mistelbach – Eine Geschichte des Ortes, seiner Herrschaften und seiner Pfarre (1986), Band I, S. 435;
Pfarre Siebenhirten: Sterbebuch 1916-1938, Fol. 7 Einträge im Sterbebuch der Pfarre Siebenhirten
Höfler, Ida Olga: Die jüdischen Gemeinden im Weinviertel und ihre rituelle Einrichtungen 1848-1939/45 – der politische Bezirk Mistelbach, Band II (2017)
Schrödl, Elfriede: „Der Zeiten raschen Flug, der Stürme Schauern wird unser Bündnis sieghaft überdauern!“ – Hundert Jahre Vereinsleben vom „Verein einstiger Lehramts-Candidaten“ zum Verein „Allzeit getreu“ der Absolventen der Lehrerbildungsanstalt, des musisch-pädagogischen Realgymnasiums und des Bundes-Oberstufenrealgymnasiums Wiener Neustadt, Diplomarbeit (1994), S. 257
Laut dieser Quelle war Kuntner schon 1923 in Rabensburg tätig: Schrödl, Elfriede: „Der Zeiten raschen Flug, der Stürme Schauern wird unser Bündnis sieghaft überdauern!“ – Hundert Jahre Vereinsleben vom „Verein einstiger Lehramts-Candidaten“ zum Verein „Allzeit getreu“ der Absolventen der Lehrerbildungsanstalt, des musisch-pädagogischen Realgymnasiums und des Bundes-Oberstufenrealgymnasiums Wiener Neustadt, Diplomarbeit (1994), S. 280;
Niederösterreichisches Lehrerbuch 1926, S. 94
Schrödl, Elfriede: „Der Zeiten raschen Flug, der Stürme Schauern wird unser Bündnis sieghaft überdauern!“ – Hundert Jahre Vereinsleben vom „Verein einstiger Lehramts-Candidaten“ zum Verein „Allzeit getreu“ der Absolventen der Lehrerbildungsanstalt, des musisch-pädagogischen Realgymnasiums und des Bundes-Oberstufenrealgymnasiums Wiener Neustadt, Diplomarbeit (1994), S. 281
Niederösterreichisches Lehrerbuch 1929, S. 39;
Niederösterreichisches Lehrerbuch 1932, S. 42
Nö. Volksbote, Nr. 22/1962, S. 2
Volksbote, Nr. 4/1925, S. 7;
Volksbote, Nr. 3/1926, S. 8
Volksbote, Nr. 10/1928, S. 8 (ONB: ANNO);
Volksbote, Nr. 10/1931 S. 9 (ONB:ANNO);
Volksbote, Nr. 10/1932, S. 7 (ONB: ANNO)
Hohenauer Gemeinde-Zeitung Organ für sozialdemokratische Gemeindepolitik, Nr. 8/1929, S. 1;
Volksbote Nr. 59/1929, S. 11;
Weinviertler Nachrichten, Nr. 23/1967, S. 7
Kleine Volks-Zeitung, 15. Mai 1930 (76. Jg. – Nr. 133), S. 4 (ONB: ANNO);
Kleine Volks-Zeitung, 15. Mai 1930 (76. Jg. – Nr. 133), S. 4 (ONB: ANNO);
Arbeiter-Zeitung, 22. Juni 1930 (43. Jg. – Nr. 170), S. 8 (ONB: ANNO);
Volkspost, 26. Juli 1930 (12. Jg. – Nr. 30), S. 2 (ONB: ANNO)
Volksbote, Nr. 11/1931, S. 9 (ONB: ANNO);
Volksbote, Nr. 10/1932, S. 7 (ONB: ANNO)
Schultes, Anton/Zelesnik, Robert/Kremsmayer, Ulla: Hohenau – Ein Heimatbuch (2001), S. 221;
Schultes, Anton/Zelesnik, Robert/Kremsmayer, Ulla: Hohenau – Ein Heimatbuch (2001), S. 221f;
Nö. Volksbote, Nr. 22/1962, S. 2;
Schrödl, Elfriede: „Der Zeiten raschen Flug, der Stürme Schauern wird unser Bündnis sieghaft überdauern!“ – Hundert Jahre Vereinsleben vom „Verein einstiger Lehramts-Candidaten“ zum Verein „Allzeit getreu“ der Absolventen der Lehrerbildungsanstalt, des musisch-pädagogischen Realgymnasiums und des Bundes-Oberstufenrealgymnasiums Wiener Neustadt, Diplomarbeit (1994), S. 156
Niederösterr. Lehrerbuch 1935, S. 19;
Schrödl, Elfriede: „Der Zeiten raschen Flug, der Stürme Schauern wird unser Bündnis sieghaft überdauern!“ – Hundert Jahre Vereinsleben vom „Verein einstiger Lehramts-Candidaten“ zum Verein „Allzeit getreu“ der Absolventen der Lehrerbildungsanstalt, des musisch-pädagogischen Realgymnasiums und des Bundes-Oberstufenrealgymnasiums Wiener Neustadt, Diplomarbeit (1994), S. 283
Christelbauer, Josef/Stadlmayer, Rudolf: Geschichte der Stadt Bruck an der Leitha (1985), S. 236;
1874-1974 Festschrift zur Hundertjahrfeier der Brucker Schule (1974) (Anm.: Die Angabe Kuntner wäre erst im Schuljahr 1937/38 als Lehrer an die Mädchenschule gekommen, ist irreführend, es handelte sich vielmehr um eine Rückkehr, da Kuntner ja schon zuvor 1934/35 an der Schule unterrichtet hatte);
Schrödl, Elfriede: „Der Zeiten raschen Flug, der Stürme Schauern wird unser Bündnis sieghaft überdauern!“ – Hundert Jahre Vereinsleben vom „Verein einstiger Lehramts-Candidaten“ zum Verein „Allzeit getreu“ der Absolventen der Lehrerbildungsanstalt, des musisch-pädagogischen Realgymnasiums und des Bundes-Oberstufenrealgymnasiums Wiener Neustadt, Diplomarbeit (1994), S. 283
1874-1974 Festschrift zur Hundertjahrfeier der Brucker Schule (1974);
Geschichte der HLW Wolfgangsee auf deren Webseite
Niederösterreichischer Grenzbote, Nr. 34/1948, S. 1 (ONB: ANNO)
laut nachfolgenden Quellen erfolgte die Versetzung im Februar (12.2.1949): Volksbote, Nr. 21/1967, S. 1 bzw. Ostbahnbote, 19. Februar 1949 (4. Jg. – Nr. 7), S. 4 (ONB: ANNO)
widersprüchlich dazu: Niederösterreichischer Grenzbote, Nr. 17/1949, S. 3 (ONB: ANNO) – wo Kuntner und seine Gattin noch im April 1949 als Lehrer in Bruck an der Leitha genannt werden.
Niederösterreichisches Lehrerbuch 1954, S. 55;
Schultes, Anton/Zelesnik, Robert/Kremsmayer, Ulla: Hohenau – Ein Heimatbuch (2001), S. 393
Niederösterreichischer Volksbote, Nr. 22/1949, S. 5;
Niederösterreichischer Volksbote, Nr. 24/1949, S. 5f;
Niederösterreichischer Volksbote, Nr. 13/1952, S. 5
Niederösterreichischer Volksbote, Nr. 14/1951, S. 3;
Niederösterreichischer Volksbote, Nr. 10/1952, S. 4;
Niederösterreichischer Volksbote, Nr. 16/1954, S. 3;
Niederösterreichischer Volksbote, Nr. 16/1957, S. 4
Niederösterreichischer Volksbote, Nr. 12/1950, S. 3
Niederösterreichischer Volksbote, Nr. 16/1953, S. 3;
Niederösterreichischer Volksbote, Nr. 4/1954, S. 3
Niederösterreichischer Volksbote, Nr. 5/1957, S. 3
Niederösterreichischer Volksbote, Nr. 46/1952, S. 4;
Zistersdorfer-Hohenauer Wochenpost, Nr. 28/1954, S. 4;
Niederösterreichischer Volksbote, Nr. 10/1958, S. 3
Volksbote, Nr. 21/1967, S. 1
Niederösterreichischer Volksbote, Nr. 22/1950, S. 4;
Niederösterreichischer Volksbote, Nr. 29/1950, S. 3
Niederösterreichischer Volksbote, Nr. 26/1954, S. 3;
Zistersdorfer-Hohenauer Wochenpost, Nr. 25/1954, S. 5;
Niederösterreichischer Volksbote, Nr. 31/1954, S. 3
Schultes, Anton/Zelesnik, Robert/Kremsmayer, Ulla: Hohenau – Ein Heimatbuch (2001), S. 266;
Weinviertler Nachrichten, Nr. 23/1962, S. 3;
Aglas, Erwin H.: Die Zweite Österreichische Republik und ihre Repräsentanten – politische Leistung im Spiegel des wirtschaftlichen Erfolges (1960), S. 233
Niederösterreichischer Volksbote, Nr. 5/1957, S. 3
Niederösterreichischer Volksbote, Nr. 42/1960, S. 3
Mitteilung des „Allzeitgetreu“ – Verein der in Wiener Neustadt und Baden herangebildeten Lehrer und Lehrerinnen, Jg. 67, Nr. 2, April 1972, S. 1f
Niederösterreichischer Volksbote, Nr. 23/1960, S. 2
Volksbote, Nr. 22/1967, S. 1;
Weinviertler Nachrichten, Nr. 23/1967, S. 7
Volksbote, Nr. 23/1967, S. 1
Weinviertler Nachrichten, Nr. 24/1967, S. 1, 3
Beschluss: 3.7.1967, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 127 – September 1967, Protokoll über die öffentliche Gemeinderatssitzung vom 3. Juli 1967; Verleihung: 15.9.1967;
Bildbote – Nö. Volksbote Nr. 38/1967, S 3
Dacho, Manfred: Die Stadt Gmünd in der Zweiten Republik (1988), S. 91
Mitteilung des „Allzeitgetreu“ – Verein der in Wiener Neustadt und Baden herangebildeten Lehrer und Lehrerinnen, Jg. 66, Nr. 1, Februar 1971, S. 2;
Mitteilung des „Allzeitgetreu“ – Verein der in Wiener Neustadt und Baden herangebildeten Lehrer und Lehrerinnen, Jg. 78, Nr. 2, Mai 1984, S. 1;
Popp, Franz: Um ein besseres Niederösterreich – 40 Jahre Politik im „Kernland“ (1976), S. 465
Friedhofsführer – Mödlinger Friedhof, S. 42f (Link)
Schultes, Anton/Zelesnik, Robert/Kremsmayer, Ulla: Hohenau – Ein Heimatbuch (2001), S. 394;
Anm.: Noch Ende der 1990er Jahre scheint diese Bezeichnung (auch) als Teil des Schulnamens der Hauptschule I, der ehemaligen Knabenhauptschule, die Kuntner einst leitete, im „Niederösterreichischen Schulführer“ (1997/98, S. 76) auf. Ob dieser Namenszusatz bei der Fusion der der beiden Hohenauer Hauptschulen im Jahr 2000, oder erst in weiterer Folge im Zuge der Umwandlung in den Schultyp Neue Mittelschule abhanden kam, war nicht nachvollziehbar.
Protokoll der Sitzung des Mistelbacher Gemeinderates vom 26.03.2009
Bollhammer, Fritz: Das Jahr 1866 in Mistelbach In: Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart, Band I, S. 325ff
Beispiele für von Rößler (alternative Schreibweise „Reßler“) geführte Klagen:
Amtsblatt zur Wiener Zeitung, 15. Oktober 1861 (Nr. 240), S. 66 (ONB: ANNO);
Amtsblatt zur Wiener Zeitung, 26. November 1864 (Nr. 285), S. 888 (ONB: ANNO);
Amtsblatt zur Wiener Zeitung, 18. Dezember 1868 (Nr. 298), S. 1795 (ONB: ANNO);
Amtsblatt zur Wiener Zeitung, 13. Juli 1864 (Nr. 158), S. 85 (ONB: ANNO);
Zum Verwandtschaftsverhältnis der Brüder Fink siehe: Pfarre Pellendorf: Trauungsbuch (1806-1877), Fol. 20 (Mathias Fink) bzw. Fol. 26 (Michael Fink) – Eintrag Mathias Fink bzw. Eintrag Michael Fink im Trauungsbuch der Pfarre Pellendorf
Zum Teil finden sich widersprüchliche Angaben oder nur Andeutungen zur Person des Verräters, doch die nachfolgenden, glaubhaften Quellen benennen den Verräter eindeutig:
-) Jahnel, Anton: Chronik der Preußischen Invasion des nördlichen Böhmens im Jahre 1866 (1867), S. 93 (Google Books);
Gemeinde-Zeitung, 15. September 1866, S. 690f (ONB: ANNO);
In Zusammenhang mit dem Sterbebucheintrag der Pfarre Pellendorf zu Mathias Fink (siehe weiter unten), besteht an seiner Person kein Zweifel;
Bollhammer, Fritz: Das Jahr 1866 in Mistelbach In: Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart, Band I, S. 325ff